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Bei der Ausstellungseröffnung im Reuchlin-Gymnasium: Adrian Lind, Christoph Mährlein, Kai Adam, Wenzel Philipp und Peter Exner (von links). 

Der stete Kampf um die Demokratie

Dass Demokratie nicht einfach gegeben ist, sondern man um sie kämpfen muss, verdeutlicht die Wanderausstellung „Demokratie wagen? Baden 1818-1919“ des Generallandesarchivs Karlsruhe, die noch bis Mittwoch, 2. Oktober, Station in Pforzheim macht. „Es ist ein Beitrag zur Demokratieerziehung, der in diesen Zeiten bitter nötig ist“, betonte Kai Adam, Schulleiter des Reuchlin-Gymnasiums, bei der Eröffnung am vergangenen Freitagabend im Atrium der Schule.

„Die Ausstellung will in Zeiten sinkender parlamentarischer Legitimierung, von Fake-News und völkischem Populismus die Errungenschaft individueller Freiheitsrechte verdeutlichen“, präzisierte Kurator Peter Exner vom Landesarchiv Baden-Württemberg. In erster Linie wolle man junge Menschen ansprechen, um sie „gegen die Einflüsterung von Demokratiefeinden“ zu immunisieren. Die Ausstellung zeichnet über 100 Jahre hinweg den Weg Badens von der Monarchie zur Republik nach – und das mit bislang unbekannten Dokumenten. Zwei zentrale Ereignisse bilden hierbei den Rahmen: der Erlass der frühkonstitutionellen Verfassung im Großherzogtum Baden 1818 und die 1919 auf den Weg gebrachte Verfassung, eine der demokratischsten jener Zeit. Dabei beleuchten die modern gestalteten Exponate – hochwertig bedruckte Aluminiumplatten, dem Plenarsaal nachempfunden im Halbkreis aufgestellt – Fragen nach politischer Mitbestimmung, der Entwicklung von Volkssouveränität und universellen Menschen- und Bürgerrechten.

Ein Weg bis zum Grundgesetz

An acht Stationen werden auf den informativen Tafeln nicht nur historische Meilensteine markiert, der Besucher begegnet auch Orten und Personen, die Nähe und Empathie schaffen sollen. So etwa dem polnischen Oberbefehlshaber Ludwik Mieroslawski, der zu Zeiten der badischen Revolution 1849 die Truppe übernahm „wie ein Fußballtrainer eine Mannschaft im Abstiegskampf“, so Exner. Und die Ausstellung endet nicht nach der badischen Revolution mit dem Abdanken des Großherzogs Friedrich II, für den es dem Kurator zufolge ebenfalls ein Freitag der 13. gewesen sein muss – wenige Monate nach dem 100-jährigen Jubiläum der ersten Verfassung. Sie spannt den Bogen über die NS-Zeit hinaus bis zum Grundgesetz.

Und wie die zahlreichen Demokratie-Befürworter, die der Besucher beim Gang durch die Ausstellung kennenlernt, ging auch die Umsetzung ebendieser nicht ohne Mitstreiter, wie Hauptinitiator Wenzel Philipp von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft betonte. Maßgeblich unterstützt wird die Ausstellung in Pforzheim von der Jakob-und-Rosa-Esslinger-Stiftung.

Viele weitere Förderer

Weitere Sponsoren sind der Jugendgemeinderat, das Kulturamt, die Deutsch-Polnische Gesellschaft sowie die Löbliche Singergesellschaft von 1501. „Wir nehmen die Verfassung oft hin und sehen nicht, was für kühne Entwürfe ihr vorausgingen“, so Singer-Obermeister Christoph Mährlein. „Wir dürfen nicht vergessen, was für ein langer, beschwerlicher Weg es bis zur Demokratie war“, ergänzte Jugendgemeinderat Adrian Lind. „Freiheit bekommt man nicht geschenkt.“

Einige Schulen haben bereits ihren Besuch im Atrium angekündigt, bevor die Ausstellung weiterzieht ins Stadtarchiv Bruchsal. 2018 gestartet, wird sie bis 2021 an weit mehr als einem Dutzend Orten Halt gemacht haben. Denn: „Demokratie ist nur so lange da, wie wir uns dafür einsetzen“, so Exner.

Die Ausstellung ist noch bis Mittwoch, 2. Oktober, montags bis freitags zwischen 7.30 und 17.30 Uhr im Atrium des Reuchlin-Gymnasiums zu sehen. Der Eintritt ist frei. Für Schüler gibt es Begleitmaterial.