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Der zu Wochenbeginn aus dem Urlaub zurückgekehrte Oberbürgermeister Gert Hager nannte die Derivate als eines der großen Themen fürs restliche Jahr.
Der zu Wochenbeginn aus dem Urlaub zurückgekehrte Oberbürgermeister Gert Hager nannte die Derivate als eines der großen Themen fürs restliche Jahr. © Seibel
08.09.2010

Derivate, Dezernate und das große Ganze

PFORZHEIM. Ganz oben auf seinen Schreibtisch seien die Grüße zu seinem 48. Geburtstag gelegen, von seinen Mitarbeitern schön sortiert. So fand Oberbürgermeister Gert Hager am Montag nach der Rückkehr aus dem Urlaub den Arbeitsplatz vor.

Unter den guten Wünschen lagen gute Nachrichten: Ein Unternehmen will seinen Sitz nach Pforzheim verlagern, 70 bis 80 Arbeitsplätze mit Zukunft würden neu entstehen, sagt Hager. Danach folgten Papiere, die abzuzeichnen waren – und ein Schriftsatz zur Rechtmäßigkeit der Derivate-Geschäfte.

Da hatte es ihn wieder, das Thema Nr. 1 seines ersten Amtsjahres: die Geschäfte, die der Stadt beim Ausstieg ein Minus von 57 Millionen Euro einbrachten. Und die immer noch eines der Themen sind, mit denen Hager im zweiten Halbjahr 2010 zu tun haben wird.

„Wir werden verstärkt mit den Banken sprechen, ob die Bereitschaft besteht, uns entgegen zu kommen“, sagt Hager. Parallel dazu werde die Chance einer Klage gegen die Deutsche Bank und J.P. Morgan geprüft, von denen sich die Stadt falsch beraten sieht. Ein weiteres Gutachten darüber steht noch aus. Genauer gesagt: Der Gutachter, Prof. Heinz-Dieter Assmann, muss eine erste vorgelegte Fassung noch ergänzen.

Frage nach Augensteins Haftung

Gleich am ersten Tag hat sich Hager zudem bei der Staatsanwaltschaft Mannheim nach den Untreue-Ermittlungen gegen seine Vorgängerin Christel Augenstein und Kämmerin Susanne Weishaar erkundigt. Von deren Ausgang hänge ja eine mögliche Haftung der beiden ab, sagt Hager. „Und eines Disziplinarverfahrens beim Regierungspräsidium“, fügt er an. Es gebe aber nichts Neues.

Der zweite große Themenkomplex für den Herbst 2010 liegt in der Sozialpolitik, die Hager an sich gezogen hat. Ein Sozialcontroling und ein Sozialentwicklungsplan sollen helfen, die explodierenden Kosten in den Griff zu bekommen. „Man darf unter Sozialcontroling nicht Kontrolle verstehen, sondern eine Wirkungsanalyse unter dem Blickwinkel: Kommt die Hilfe an?“

Mit dem Sozialentwicklungsplan sollen dann die Weichen gestellt werden. Der Ansatz: bereits in der Kindheit Fehlentwicklungen zu vermeiden, die man heute noch bei Erwachsenen teuer ausbaden muss. Diese konzeptionelle Arbeit werde vom künftigen Sozialbürgermeister zu leisten sein. Zwei Bewerbungen lägen im Rathaus bereits vor, weitere ernstzunehmende Interessierte hätten sich erkundigt.
Und: Ende September geht Hager mit dem Gemeinderat in Klausur. Die Arbeit am Masterplan startet. „Wir wollen diskutieren, in welche Richtung sich Pforzheim entwickeln soll, wirtschaftlich, bevölkerungs- und bildungspolitisch“, sagt Hager.

Kurz: Es geht, mal wieder, ums Ganze. 

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