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Das Wahrzeichen von Cassino: Die Klosteranlage oberhalb der 33000-Einwohner-Stadt, die im Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern zerstört wurde, weil sie dort einen Stützpunkt der Deutschen vermuteten. Zu Unrecht.
Das Wahrzeichen von Cassino: Die Klosteranlage oberhalb der 33000-Einwohner-Stadt, die im Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern zerstört wurde, weil sie dort einen Stützpunkt der Deutschen vermuteten. Zu Unrecht.
02.01.2012

Derivate-Debakel: In Italien Geschäfte mit J.P. Morgan üblich

In Deutschland ist Pforzheim nach wie vor einzigartig. Zumindest, was das kommunale Derivate-Debakel mit unterm Strich 57 Millionen Euro Verlust angeht. In Italien aber haben etliche Kommunen Geschäfte mit J.P. Morgan getätigt

In Deutschland ist Pforzheim nach wie vor einzigartig. Zumindest, was das kommunale Derivate-Debakel mit unterm Strich 57 Millionen Euro Verlust angeht. Während alle anderen rund 200 betroffenen Kommunen, kommunalen Versorgungsunternehmen und mittelständischen Unternehmer bei Zinstausch-Geschäften mit der Deutschen Bank Verluste machten und sich seitdem mit diesem Bankhaus über die Haftung streiten, schlug Pforzheim einen anderen Weg ein: Die Goldstadt versuchte, mit ähnlich gelagerten Geschäften bei der US-Investmentbank J.P. Morgan aus dem Schlamassel herauszukommen.

Das ging bekanntlich gründlich schief. Abgesehen vom Fall Pforzheim aber, taucht J.P. Morgan in der deutschen Derivate-Debatte kaum auf. Und selbst weltweit war bislang nur der Fall des US-Bezirks Jefferson County im Bundesstaat Alabama bekannt, der seine Abwasserentsorgung über J.P. Morgan finanzierte und nun pleite ist, nachdem er mit rund vier Milliarden US-Dollar in der Kreide steht. In Italien aber sind kommunale Geschäfte mit J.P. Morgan offenbar nichts Ungewöhnliches gewesen, und auch nicht die folgenden gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Rollende Köpfe gefordert

Das geht aus einem Bericht des englischsprachigen Online-Wirtschaftsdiensts „Bloomberg Businessweek“ mit Sitz in New York hervor. Kommunen in ganz Italien hätten, so heißt es dort, auf sinkende Einnahmen und steigende Ausgaben mit den zunächst verlockenden Zinstausch-Geschäften reagiert. Selbst das große, reiche Mailand, das heute gegen J.P. Morgan, aber auch die Deutsche Bank und die Schweizer UBS klagt. Am heftigsten aber habe es die Stadt Cassino getroffen, schreibt Bloomberg Businessweek. Die Kommune, hoch verschuldet als Spätfolge des Wiederaufbaus nach dem für sie verheerenden Zweiten Weltkrieg, habe infolge ihrer in der Höhe noch nicht bezifferbaren Millionenverluste bei J.P. Morgan fast die Hälfte ihres Personals abgebaut, die Kinderbetreuung heruntergefahren und die Eltern für den verbleibenden Rest in großem Stil zur Kasse gebeten. Das Stadtbild sei heruntergekommen, vom Charme benachbarter Städte wenig zu spüren. „Das Mindeste ist, dass dafür Köpfe rollen“, zitiert der Online-Dienst die Vorsitzendes des gemeinderätlichen Finanzausschusses.

Ungleiche Information

Die Journalisten berichten auch vom Prozess der Stadt Mailand, in dem ein J.P.-Morgan-Banker gesagt habe, das wichtigste sei seine Gewinnmarge. Die Mailänder wiederum sehen ein Ungleichgewicht zwischen Bankern und Kommunen, was die Informationen angeht. In einer Hinsicht aber wächst der Wissensstand bei allen, die mit J.P. Morgan-Papieren Schiffbruch erlitten haben: Immer mehr Schicksalsgenossen werden bekannt – „Bloomberg Businessweek“ erwähnt als Schicksalsgenosse der italienischen Kommunen die Stadt Pforzheim und machte mit der Nachfrage bei J.P. Morgan in London die selbe Erfahrung wie die PZ bei J.P. Morgan in Frankfurt: Der Kommentar des Pressesprechers lautete kurz und knapp: kein Kommentar. kli

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