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25.06.2009

"Design Pforzheim" macht in Mailand Furore

PFORZHEIM/MAILAND. Wo denn das Studio sei, in dem das produziert werde und wo man das kaufen könne – „ein schöneres Kompliment gibt es doch gar nicht“, sagt Professorin Christine Lüdeke, Leiterin des Studiengangs Schmuck und Objekte der Alltagskultur (intern: SOdA). Sie erinnert sich noch lebhaft an die Reaktionen der Menschen auf der Mailänder Möbelmesse. 13 Studierende vom dritten bis zum sechsten Semester waren unter den Ausstellern aus aller Welt.

„Design Pforzheim“ stand auf einem Banner an ihrem Stand in einer alten Fabrikhalle in dem Quartier, das von der Messe in Beschlag genommen wurde. „Die Studenten waren begeistert über das tolle Feedback, das sie bekommen haben“, sagt Lüdeke und freut sich mit. Im vergangenen Jahr war man erstmals vertreten beim Salone Satellite, einer Bühne für Jungdesigner und Designschulen. Diesmal wagte man sich in die Zona Tortona – da, wo unter anderem von den Stars der Branche die Musik gemacht wird.

Lüdeke hatte neun Studenten nur einen Monat Zeit gelassen für ein Projekt, das sie in der Welthauptstadt des Geschmacks interpretieren und präsentieren sollten. Die Operation trug den Namen „Apéritif“, jener Appetitanreger, der Lust auf Mehr machen soll – auch optisch.

Entsprechend unterschiedlich gestalteten sich die Trinkgefäße, ihre Form, ihr Grundstoff – bis hin zur Campari-Infusionsflasche. Sechs Tage lang war jeden Nachmittag ab 17 Uhr bei den Deutschen Apéro-Zeit. „Wir hatten schon Anfragen, ob man so etwas auch produzieren sollte“, so Lüdeke. Kein Wunder, ist doch der Studiengang an der Schnittstelle zwischen Einzelobjekt und Industrie angesiedelt.

„Wir gehen anders ran“

Gibt es so etwas wie eine Unverwechselbarkeit des Pforzheimer Studiengangs (wie etwa eine englische Fachzeitung es den Transportation Designern attestiert)? „Sicherlich“, sagt die Professorin, „es ist diese andere Art, zu denken, anders an etwas heranzugehen.“

Künftig wollen die Pforzheimer jedes Jahr mit von der Partie sein. Jetzt laufen erst einmal die Vorbereitungen auf die Werkschau am 17. und 18. Juli auf Hochtouren. Zusammen mit dem Studiengang Mode entsteht bei den Drittsemestern ein Gemeinschaftsprojekt „Mode & Accessoires“. Gut möglich, dass bei den Modenschauen ein paar Männer über den Laufsteg stolzieren, die nichts oder fast nichts auf dem Leib tragen – außer ein paar schmückenden Utensilien. „Lassen Sie sich überraschen“, sagt Lüdeke, „wir wissen es selbst noch nicht genau.“

Sie öffnet die Tür ihres Büros. Die Augen des Betrachters heften sich auf die Aushänge an den Pinnwänden im Flur. „Ja“, sagt Lüdeke, „die Zahl der Praktikumsplätze nimmt zu.“ Das klingt optimistischer als es ist – in wirtschaftlich besseren Zeiten waren das anständig bezahlte Jobs. Dabei, so eine angesehene italienische Tageszeitung jüngst auf ihrer Titelseite, führe nur ein Weg aus der Krise: Kreativität. Lüdeke: „Das werden die Firmen auch irgendwann begreifen.“ Denn Design, so viel ist sicher, wird bei der Kaufentscheidung von Produkten immer wichtiger werden.