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Derivate-Debakel in Pforzheim

Die internen Gremien der Deutschen Bank in Frankfurt haben entschieden, den Vergleichsvorschlag des Gerichts zu akzeptieren. Dieser sieht eine Zahlung von 7,7 Millionen Euro an Pforzheim vor.
Die internen Gremien der Deutschen Bank in Frankfurt haben entschieden, den Vergleichsvorschlag des Gerichts zu akzeptieren. Dieser sieht eine Zahlung von 7,7 Millionen Euro an Pforzheim vor. © dpa
07.09.2016

Deutsche Bank zu Derivate-Vergleich bereit - Rathaus muss nun entscheiden

Konsequent bis zum möglichen Ende: Mit Worten ist die Deutsche Bank immer äußerst sparsam gewesen, was das Pforzheimer Derivate-Debakel anbelangt. „Die Deutsche Bank ist bereit, den Vergleichsvorschlag des Gerichts zu akzeptieren, um die Angelegenheit auf dieser Basis endgültig beizulegen“, erklärte ein Sprecher des Bankhauses am Dienstag auf Anfrage der „Pforzheimer Zeitung“. Mehr nicht, auch nicht auf Nachfrage.

Und dennoch könnten diese dürren Zeilen das Ende einer nahezu unendlichen, viele Millionen Euro teuren Geschichte einläuten. Denn das Finanzinstitut hatte jahrelang eine finanzielle Beteiligung an den 57 Millionen Euro Verlust aus einer Abfolge spekulativer Derivate-Geschäfte der Stadt erst mit der Deutschen Bank und dann mit der Investmentbank J.P. Morgan abgelehnt. Ende vergangenen Jahres hatte die Stadt die Bank verklagt. Bei einem Erörterungstermin vor dem Landgericht Frankfurt am 13. Juli hatten sich die Vertreter der Deutschen Bank erstmals grundsätzlich zu einer Zahlung bereiterklärt. In der Höhe lag die von der Deutschen Bank genannte Summe allerdings deutlich unter der Forderung der Stadt. Diese wollte 20 Millionen Euro, also den Rest des Schadens, nachdem sie sich 2014 mit J.P. Morgan in einem Vergleich auf die Zahlung von 37 Millionen geeinigt hatte. Die Deutsche Bank stellte sich auf die Position, höchstens an einem Verlust von elf Millionen Euro beteiligt zu sein. Daran könne man sich vielleicht mit 25 oder 30 Prozent beteiligen. Der Frankfurter Richter akzeptierte bei der Erörterung in seinen Ausführungen die elf Millionen Euro als Bemessungsgrundlage, hielt aber angesichts von falscher Beratung eine Beteiligung der Bank zu zwei Dritteln für angemessen und schlug so eine Zahlung an die Stadt über 7,7 Millionen Euro vor.

Nächste Woche im Gemeinderat

Beide Seiten bekamen eine Frist bis Mitte September gesetzt, um über diesen Vorschlag zu entscheiden oder auch gegebenenfalls direkt miteinander zu verhandeln. Die Deutsche Bank hat nun ihren Zug gemacht. Der Pforzheimer Gemeinderat tagt kommende Woche und hat darüber zu befinden, ob er dem Vergleich ebenfalls zustimmt oder Chancen sieht, auf dem Verhandlungs- oder auch Klageweg einen größeren Teil des verbliebenen Schadens ersetzt zu bekommen. Stimmt er gegen den Vergleich, wird das Landgericht Frankfurt am 12. Oktober eine Entscheidung treffen.

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