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Zuvor verteilte Kerzen werden angezündet, um anschließend in mit Sand gefüllte Teller gesteckt zu werden. Foto: Tilo Keller
Zuvor verteilte Kerzen werden angezündet, um anschließend in mit Sand gefüllte Teller gesteckt zu werden. Foto: Tilo Keller
Der Pforzheimer Mittelaltermarkt ist auch nach dem Ende des Weihnachtsmarkts ein Magnet. Foto: Keller
Der Pforzheimer Mittelaltermarkt ist auch nach dem Ende des Weihnachtsmarkts ein Magnet. Foto: Keller
22.12.2017

Die Abkehr von der Dunkelheit: Besucher feiern auf dem Mittelaltermarkt die Wintersonnenwende

Pforzheim. Mit dem Julfest und einem stattlichen Feuer ist am Donnerstagabend die Wintersonnenwende beim Pforzheimer Mittelaltermarkt gefeiert worden. Zahlreiche Besucher haben wieder diesem Fest mit mystischem Charakter beigewohnt, zu dem das mittelalterliche Marktteam zum sechsten Mal eingeladen hatte. Schon lange vor der angekündigten Entzündung des Feuers war es auf dem Mittelaltermarkt besonders voll. Der große Holzstoß vor der Bühne war sichtbares Zeichen, dass dieser Abend kein gewöhnlicher war und man sich auf die Wintersonnenwende vorbereitete.

„Das Fest dient dazu, das neue Jahr einzuleiten“, erklärte Holger Funke von der Musikgruppe „Poeta Magica“. Das Entzünden des Julfeuers geht auf vorchristliche Religionen Nordeuropas zurück. Dabei wird das Wiedererstarken der Sonne, also die wieder länger werdenden Tage, gefeiert. Musik und Tanz gehören genauso dazu wie das Entzünden des Feuers oder das Räuchern.

Bei der Sonnenwendfeier am Mittelaltermarkt sollten bewusst die Gäste zum Mitfeiern animiert werden. Funke will dies auch als Zeichen gegen Ausgrenzung und für Toleranz und Miteinander verstanden wissen. Und so sammelte sich am Donnerstagabend sowohl mittelalterlich gewandetes Volk als auch Besucher in modernen Funktionsjacken vor der Bühne.

Mit Musik und sphärischen Klängen leiteten Holger und Friederike Funke von „Poeta Magica“ das Ritual ein. „Du bist niemals alleine, halte inne und sei ganz und gar da“, forderte Friederike Funke auf und hieß alle Herzen, die gekommen waren, willkommen. Nach einem kleinen Umzug rund um den Mittelaltermarkt, versammelten sich alle um den Holzstapel vor der Bühne. Funke rief wohl- und heilspendende Götter an. Zusammen mit Gitarrist Martin Hinze stimmten die Musiker ein Mantra an. „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte Dich nicht“, schallte es von der Bühne herab – und auch aus dem Publikum.

Die Sorgen in die Flammen

Kleine Holzscheite wurden an die Zuschauer verteilt, die ihre Sorgen und vergangene Dinge hineingeben sollten, um sie später ins Feuer zu werfen. Das Ritual wurde ihnen von Nashi nahe gebracht: „Diese Geburt des Lichtes birgt in sich den Neubeginn der Sonnentage und des Lebens“, erklärte sie. „Im verborgenen Dunkel wurden längst die Samen gepflanzt, und wir wollen sie ans Licht bringen.“ Als das Feuer lichterloh brannte, wanderten nach und nach die kleinen Hölzchen hinein, die manche mit geschlossenen Augen lange in den Händen gehalten hatten.

„Mit eurem neuen Licht sollen Eure Wünsche in Erfüllung gehen“, forderte Nashi auf, die ebenfalls verteilten Kerzen in die vier mit Sand gefüllten Teller zu stecken, die in vier Himmelsrichtungen rund um das Feuer aufgestellt waren. Danach kam die Aufforderung zum Tanz. Marktvolk und Zuschauer fassten sich an den Händen und tanzten in mehreren Reihen im Kreis um das lodernde Licht. Dabei ging es ausgelassen zu, so dass sich viele wild hüpfend ums Feuer bewegten. Zum Abschluss sangen die Versammelten wieder gemeinsam und ließen den Abend ruhig ausklingen.