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Fasching, Narren, Hexen, Guggenmusik

Dutzende Hände leisten Geburtshilfe: Im E-Werk in Dillweißenstein packen alle mit an, um den Schneemann zu Bauen. Foto: Tilo Keller
Dutzende Hände leisten Geburtshilfe: Im E-Werk in Dillweißenstein packen alle mit an, um den Schneemann zu Bauen. Foto: Tilo Keller
Der erste Auftritt des Schneemanns 1954 – noch ohne Hut. Foto: Privat
Der erste Auftritt des Schneemanns 1954 – noch ohne Hut. Foto: Privat
10.02.2019

Die Geburt des Herrn Schneemann: 40 Helfer bauen Wahrzeichen für Umzug

Pforzheim. Ein Wattebäuschchen hier, noch etwas Kleister da – der Bau des Herrn Schneemann, seines Zeichens Galionsfigur des Dillschdemer Umzugs, ist Handarbeit – und zwar langwierige. Rund 40 Helfer braucht es am Freitagabend im E-Werk in Dillweißenstein, um die mehr als 5000 Wattebäuschchen auf das Leintuch zu kleben, das das Stahlgerüst wie einen Umhang umgibt.

„Wir haben um 18.30 Uhr angefangen“, berichtet Jörg Müller, Vorsitzender des Umzugsrats, für den der Bau des Schneemanns ebenso zur gelebten Faschingstradition zählt wie die Kanone „Grausame Barbara“ oder die Erweckung des Ritters Belrem. Bei warmen Würstchen, Sekt und „Barbaras Kanonenkolben“, dem Edelpils der Brauerei Ketterer mit närrischem Sonderetikett, geht die Arbeit aber leicht von der Hand – nach etwas mehr als drei Stunden sind Rumpf und Kopf in wolliges Wattebäuschen-Weiß gehüllt. Ebenfalls Handarbeit ist die Dekoration, die jedes Jahr vom Dillschdemer Faschingsurgestein und Ehrengildemeister Günter Haug angefertigt wird: Aus Sperrholz sägt er Knöpfe, Mund und Brille des Herrn Schneemann aus. Beim Zylinder kann er jedoch auf das Vorjahresmodell zurückgreifen – denn der besteht, wie das Gerüst auch, aus Stahl und kann daher mehrfach das Haupt des Schneemanns zieren.

Stahl und Watte

So harrt der „Herr Schneemann“ nun seines großen Auftritts am Faschingsdienstag, 5. März: kopflos im E-Werk. Denn der Kleber muss erst komplett aushärten, bis das Haupt auf den Rumpf gesetzt werden kann, wie Müller verrät. „Das dauert schon seine zwei Tage“, so der Umzugsratsvorsitzende. Erst am Faschingsdienstag werde er dann auf den Wagen gehievt. Vier kräftige Männer, so Müller, seien dafür nötig – und genau vier Griffe finden sich zu diesem Zweck am Stahlgerüst.

Auch wenn der Schneemann inzwischen eine Symbolfigur des Dillschdemer Umzugs ist – seit wann genau er den närrischen Lindwurm abschließt, um dann auf dem Ludwigsplatz in Flammen aufzugehen, um so den Winter zu vertreiben, weiß niemand so genau. „Das erste Foto stammt aber aus dem Jahr 1954, also dürfte er nur zwei Umzüge verpasst haben“, mutmaßt Müller scherzend.

Was dagegen sicher ist: Bis heute sind es die Freunde und Organisatoren des einzig verbliebenen Pforzheimer Faschingsumzugs, die den Schneemann in Handarbeit bauen. Noch original aus den 1950er-Jahren stammt dabei das Stahlskelett, das die Basis für den Schneemann bildet, geschaffen von Karl Klink, Schmied bei der Firma Fritz Seeger. Das Stahlskelett umspannt ein Maschendrahtgeflecht – im Gegensatz zum Gerüst wurde dieses in den vergangenen Jahrzehnten schon ein paar Mal ausgetauscht. Das Kleid besteht aus alten Leintüchern und wird Jahr für Jahr von den Marketenderinnen der Belrem-Gilde neu maßgeschneidert und genäht.

Im Zeichen der Symbolfigur

Um dem Herrn Schneemann die Ehre zu erweisen, die ihm laut der Dillschdemer Narren auch gebührt, haben sie den diesjährigen Umzug unter dem Motto „Von führenden Schneemännern empfohlen“ ohnehin ganz ins Zeichen des wattebäuschigen Gesellen gestellt. Nur logisch erscheint da, dass das Konterfei des Schneemans auch den diesjährigen Faschingsorden ziert, der von der stellvertretenden Gildemeisterin der Belrem-Gilde, Gaby Jourdan, entworfen wurde. Die Originalzeichnung ziert dieses Jahr auch die Plakate und das Cover des Zuglaufplans.