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Das Angebot reicht von der Schwarzen Madonna bis zu Mutter Teresa.
Das Angebot reicht von der Schwarzen Madonna bis zu Mutter Teresa.
Im Kloster Jasna Góra werden verschiedenste Devotionalien verkauft. Die Mehrzahl davon wird als Massenware in China produziert. Privat
Im Kloster Jasna Góra werden verschiedenste Devotionalien verkauft. Die Mehrzahl davon wird als Massenware in China produziert. Privat
17.05.2017

Die Schwarze Madonna – Spiritualität oder Kommerz?

Tschenstochau. Die Frau mit dem Baby im Arm gilt für Polen nicht nur als nationales Symbol, sie ist auch umgeben von zahlreichen Entstehungslegenden und macht als heiligste Reliquie des Landes Pforzheims Partnerstadt Tschenstochau zu einem beliebten Wallfahrtsziel: die „Schwarze Madonna“, die berühmte Abbildung der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind.

„Das Gnadenbild der Mutter Gottes auf dem hellen Berg“ lautet die wörtliche Übersetzung aus dem Polnischen. Neben „Schwarze Madonna“ ist sie als „Die Mutter Gottes aus Tschenstochau“ bekannt. Das Bild ist der größte Schatz des Klosters Jasna Góra („Heller Berg“). Jährlich pilgern etwa vier Millionen gläubige Katholiken nach Tschenstochau, um das Bild zu betrachten. Viele umrunden es sogar auf den Knien.

Nach Überlieferung des Evangelisten Lukas soll das Gemälde auf einem Tisch, an dem die „heilige Familie“ aß, gemalt worden sein. Obwohl neueste Forschungen ergaben, dass die Darstellung eine byzantinische Ikone aus dem 6. bis 9. Jahrhundert verbildlicht, hat sich an ihrer Bedeutung für viele Gläubige nichts geändert. Das Gnadenbild ist nach wie vor wie ein Magnet, der die Pilger Jahr für Jahr anzuziehen scheint. So berichtet das Pressebüro des Klosters von 70 000 Messen, 6000 Predigten, 30 000 Stunden im Beichtstuhl und 1,8 Millionen ausgegebene Hostien im Jahr.

Jeder der jährlichen vier Millionen Pilger gebe dort im Kloster durchschnittlich 50 Euro aus, die Hälfte davon für Devotionalien. Diese werden millionenfach hinter den Mauern von Jasna Góra angeboten. Die Ordensbrüder – die Pauliner – halten nicht nur Messen und dienen den Gläubigen, sondern sind selbst die Betreiber des Verkaufs. Seit 1996 beanspruchen die Pauliner das Markenrecht für die Devotionalien. So profitieren sie von jedem einzelnen heiligen Bildchen, das auf dem hellen Berg den Besitzer wechselt. Hergestellt werden die Stücke zum Teil noch in kleinen Familienbetrieben rund um Tschenstochau – größtenteils sind es jedoch Importe aus China.

Obwohl der Trubel um die Schwarze Madonna durchaus kommerzielle Züge angenommen hat, mindert dies nicht die Bedeutung des Orts für die Wallfahrer, die in dem Kloster Spiritualität suchen. Trotz des großen Andrangs in Jasna Góra hat Tschenstochau wenig Anteil an dem daraus resultierenden Ruhm und Erlös. So schlafen durchschnittliche Pilger nicht in der Stadt, sondern suchen sich kostenlose Unterkünfte. Auch die Verpflegung wird von zu Hause mitgebracht und aus Zeitgründen können sich auch viele die Stadt Tschenstochau als solche nicht ansehen.

Aneta Zalewska für die Deutsch-Polnische Gesellschaft