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Sie will die Gesellschaft zusammenhalten: Professorin Dr. Katharina Kilian-Yasin von der Hochschule bei ihrem Vortrag „Wirksam durch bewegte Zeiten – Werte als Basis für innovativen Wandel“.  Foto: Tilo Keller 

Die Stärke jedes Einzelnen verändert die Welt: Professorin Katharina Kilian-Yasin hält Vortrag über Werte im Wandel

Pforzheim. Anlässlich der Frauenwirtschaftstage hat Professorin Katharina Kilian-Yasin von der Hochschule Pforzheim einen Vortrag mit dem Titel „Wirksam durch bewegte Zeiten – Werte als Basis für innovativen Wandel“ gehalten. Stellvertretend für die verschiedenen Mitglieder des Arbeitskreises Frau und Beruf begrüßte Pforzheims Gleichstellungsbeauftragte Susanne Brückner rund 40 Gäste im Reuchlinhaus. Darunter die Stadträtinnen Marianne Engeser (CDU) und Annkathrin Wulff (SPD) sowie den Landtagsabgeordneten und Stadtrat Felix Herkens (Grüne). Das Saxophonquartett „Balanced Action“ aus Karlsruhe begleitete die Veranstaltung mit schwungvollen Interpretationen bekannter Melodien wie „In The Mood“ oder „Bei mir bist du schön.“

„Glück empfinde ich dabei, junge Menschen zu unterstützen, ins Berufsleben zu gehen“, umschrieb Kilian-Yasin ihre Motivation für ihr Wirken an der Hochschule. Kilian-Yasin ist Studiengangsleiterin für Wirtschaftsingenieurwesen International. Sie möchte jungen Menschen als „verantwortungsbewusste, empathische Menschen in die Welt“ gehen lassen. „Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird gestärkt über die Verständigung von Werten“, so ihre Theorie. „Die gegenwärtige Covid-19-Pandemie hat der Welt eine Gesundheitskrise beschert“, führte sie weiter aus und machte darauf aufmerksam, dass man es derzeit überall in der Welt mit Umbrüchen zu tun habe. Auch der Klimawandel und das ungleich verteilte Wirtschaftswachstum trügen dazu bei. „Immer mehr Akteure erkennen, dass umgesteuert und eingefahrene Routinen verändert werden müssen“, sagte sie. „Die Menschen spüren, dass sich vieles verändert und verändern wird. Manche haben Angst vor der Veränderung und halten am Alten fest.“ Bisweilen sei von einer Spaltung der Gesellschaft die Rede. Jeder einzelne habe die Wahl, wie er mit Veränderungen umgehe, ob mit Misstrauen oder mit konstruktivem Voranschreiten. Sie verdeutlichte, dass jede individuell getroffene Entscheidung Einfluss auf die Entscheidungen Anderer habe. „Wer sagt, als einzelner Mensch hätte man keinen Einfluss auf große Entscheidungen, verkennt, dass es selten einen direkten Einfluss gibt“, so Kilian-Yasin. Allerdings hätten Entscheidungen, die Menschen im Kleinen treffen, Auswirkungen, wie die Dinge sich in der Gesellschaft, in Organisationen und den Ländern der Welt entwickeln. Als Beispiel dafür nannte sie Greta Thunberg, die Gründerin der „Fridays for Future“-Bewegung. „Als Mensch ist man immer verwoben mit anderen. Wer nur für sich selbst ein gutes Leben anstrebt, wird erleben, dass es auch davon abhängt, wie es anderen geht“, betonte die Professorin. „Gutes Leben für sich selbst kann man mit einem Beitrag für gutes Leben der Gemeinschaft und der Welt verbinden.“ Das bezog sie auch auf die Geschäftswelt. „Unternehmen profitieren, wenn sie ihre Strategien werteorientiert ausrichten“, hielt sie fest. „Heute erkennen Unternehmen, dass langfristiger Erfolg davon abhängt, dass es der Umwelt und den Menschen gut geht.“ Kilian-Yasin empfahl, offen ins Gespräch zu treten, über das, was Einzelnen wichtig sei und wie notwendige Veränderungen gestaltet werden können. Den Prozess des respektvollen Austauschs über Werte sah sie als Stärkung des Zusammenhalts und Fundament für positive Veränderungen. Im anschließenden Gespräch wurde deutlich, dass der Vortag viel Anklang fand.

„Die Weisheit des einzelnen zu stärken, finde ich wichtig. Ich glaube, dass viele ähnliche Gedanken in sich tragen und das oft nicht so ausdrücken können oder die Zusammenhänge sehen“, so der Kommentar einer Zuhörerin. „Das ist das, was mich täglich motiviert, dass man etwas bewirken kann“, entgegnete Kilian-Yasin. „Wie wir uns im einzelnen entscheiden, das macht den Unterschied.“