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Bei den Cortenstahl-Kübeln gehen die Meinungen weiterhin auseinander: Hässliche „Rost-Kübel“ oder doch eine Verbesserung der Optik? Seibel
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04.12.2015

Die Zerrennerstraße: Stadt-Boulevard - Bilanz nach einem Jahr

Etwa ein Jahr ist es nun her, dass das erste Teilstück der Zerrennerstraße zwischen Jahnstraße und Leopoldstraße umgestaltet wurde. Zeit, Bilanz zu ziehen. Die Erwartungen waren hoch, als die Stadt im Sommer 2014 ihre Pläne für die den Stadtboulevard Zerrennerstraße vorstellte. Die Enttäuschung folgte allerdings auf dem Fuße: Vor allem die Blumenkübel in Rost-Optik ernteten bei der Mehrheit der Pforzheimer Hohn und Spott. Und auch sonst wollten die eher spärlichen Umbaumaßnahmen dem Begriff des Stadtboulevards nicht wirklich standhalten. Aber er war nun mal eingeführt – und hat sich gehalten. Der Stadtboulevard im Check:

Parken:

Das Hauptmanko aus Sicht der meisten Händler: Es darf nicht mehr geparkt werden. Vor den Geschäften gibt es Ladezonen für die Anlieferung von Waren. Für Kunden ist Parken da verboten – eigentlich. Übrigens auch im Mittelstreifen. Tatsächlich sieht man doch häufig Autos stehen. Die riskieren allerdings ein Knöllchen. „Da werden sehr viele Strafzettel verteilt“, sagt Giuseppe Marrone, Inhaber des Friseurladens an der abzweigenden Baumstraße. Städtische Zahlen gibt es nicht.

Alternativen zum Parken auf der Straße sind vorhanden – in Form von drei Parkhäusern. Diese werden auch genutzt: Das Central-Parkhaus Schober zumindest stellt einen Zuwachs von Kunden fest. „Die Bereitschaft ins Parkhaus zu fahren wächst“, sagt Inhaber Hans-Georg Schober.

Dennoch: „Unsere Kunden wollen nicht so gerne ins Parkhaus“, sagt Michael Birner, Verkäufer bei der Wohnfabrik: zu umständlich, zu langwierig. Auch Rudi Keck leidet mit seiner Metzgerei unter der Parksituation: Bis zu 20 Prozent Einbußen habe die Metzgerei an den Samstagen dadurch, dass die Kunden von außerhalb nicht mehr parken könnten. Besonders ärgert sich der Metzgermeister darüber, dass auch gehbehinderten Kunden eine Ausnahme vom Ordnungsamt verwehrt werde.

Flanieren:

Breite Bürgersteige mit Sitzbänken, nur noch zwei Autospuren mit einem auf Tempo 30 abgebremsten Verkehr und zwischen den Fahrbahnen ein teilweise begrünter Mittelstreifen – all das sollte die Aufenthaltsqualität für die Passanten steigern und das Queren der Straße erleichtern. Letzteres funktioniert im Selbsttest zumindest vormittags recht gut. Zu Stoßzeiten könnte das allerdings anders aussehen. Etliche Ladenbesitzer würden sich deshalb einen Fußgängerüberweg wünschen – am liebsten vor dem eigenen Geschäft. Fazit: Die Anbindung der City an den Fluss und den Sedanplatz ist damit zumindest teilweise geglückt.

Tempo:

Entscheidend für die Wohlfühl- atmosphäre ist sicherlich das reduzierte Tempo des Verkehrs. Aber wird das Tempolimit wirklich eingehalten? Hier klaffen persönliche Wahrnehmung und Messungen weit auseinander. „Da rasen regelmäßig Autos mit 50, 60 Sachen durch“, beobachtet nicht nur Einzelhandelsvorsitzender Horst Lenk. Auch Shiwan Raschom, Inhaber von Paradies Grill, macht sich Sorgen um die Sicherheit seiner Kunden. Passant Bernd Walter geht davon aus, dass sich viele nicht an Tempo 30 halten. „Ich warte darauf, dass hier mal jemand unter die Räder kommt“, sagt er. Die Tempokontrollen des Ordnungsamts scheinen diese Wahrnehmung allerdings nicht zu belegen: Nur vier bis sieben Prozent der Verkehrsteilnehmer seien hier bei Messungen zu schnell unterwegs gewesen – üblich sind in Pforzheim laut Pressestelle dagegen zwölf Prozent.

Radfahren:

Laut Stadtplaner Michael Wolf gibt es positive Rückmeldungen seitens der Radfahrer: die leichtere Querung in Richtung Innenstadt beziehungsweise in die umgekehrte Richtung südwestwärts komme gut an. Binnen unserer Recherche wurde allerdings kein Radfahrer auf dem eigens eingerichteten Radwegstummel gesichtet. Rund 50 Meter Radweg beginnen im Nirgendwo und enden an der Kreuzung zur Leopoldstraße – dem Ende der bisherigen Umgestaltung der Zerrennerstraße. Sinnvoller dürfte er erst werden, wenn die die Erweiterung in Richtung Waisenhausplatz kommt.

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