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Das Musical begeistert mit aktuellen Bezügen. Foto: Fux
Das Musical begeistert mit aktuellen Bezügen. Foto: Fux
02.07.2019

Die alttestamentarische Geschichte von Josef als modernes Musical

Pforzheim. Zum Sommerfest der Evangelisch-methodistischen Kirche hat sich die Kirchengemeinde am Sonntag etwas Besonderes einfallen lassen. Kinder und Jugendliche der kirchlichen Nachbargemeinde, der evangelisch-methodistischen Kirche Eutingen, führten in der Erlöserkirche das Musical „Josef“ auf.

Doch das Stück gab nicht nur die Geschichte von Josef aus dem Alten Testament beeindruckend wieder, sondern lieferte viele aktuelle Bezüge und schuf Verbindungen in die heutige Zeit. Da wurde beispielsweise mit dem Handy telefoniert, Klatsch und Tratsch von Josef über die Zeitschrift „Gala“ im Fitness-Studio ausgetauscht. „Josef ist sexy, intelligent, 30 Jahre alt, erfolgreich und Ausländer – ein gutes Beispiel für Integration“, so die Fitness-Damen.

Dennoch fiel die biblische Geschichte nicht unter den Tisch – im Gegenteil: Josef wird von seinen Brüdern aus Eifersucht beinahe umgebracht. Sie verkaufen ihn nach Ägypten. Später landet die Hauptfigur unschuldig im Gefängnis. Doch wie aus dem Nichts wird Josef zum zweitmächtigsten Mann des Landes. Aber der Verlust seiner Heimat und seiner Familie bleibt. Schließlich kommt es zum Wiedersehen und zur Versöhnung. Es ist die Geschichte der sieben fetten und mageren Jahre, in denen Josef dank seiner Eingebungen und Träume viele, auch seine Ursprungsfamilie, vor dem Hungertod bewahrt.

Die Handlung kennt fast jeder, aber wie sie die Kinder und Jugendlichen aus Eutingen ins Jahr 2019 übertragen, ist faszinierend. Auch an Situationskomik und witzigen englischen Übersetzungen fehlt es nicht. Denn die Kinder und Jugendlichen sind mit Feuereifer – trotz hochsommerlichen Temperaturen – begeistert bei der Sache. Ihr Lohn ist am Ende viel Applaus, ein kühles Eis und ein erfrischendes Getränk.

Dafür geben die Darsteller rund eineinhalb Stunden spielerisch und szenisch alles, gerade wenn man bedenkt, dass einige kurzfristig einsprangen und aushalfen, weil andere verhindert waren. Es ist aber auch die Musik, eingängige und peppige Melodien, die das Publikum mitreißen und in den Bann ziehen.

„Wenn Geschwister nach langem Streit sagen: Tut mir leid. Dann ist dies das Wunder der Versöhnung, ein echter Neubeginn – endlich Frieden“, singen die Mädchen und Jungs mit Hingabe und Leidenschaft. Klare Sache, dass die Zuschauer am Ende eine Zugabe forderten.