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Die letzten Zeugen der Deportation aus La Bresse nach Pforzheim hat der Franzose Michel Arnould befragt. Am Dienstag war er in der Goldstadt zu Besuch.
Die letzten Zeugen der Deportation aus La Bresse nach Pforzheim hat der Franzose Michel Arnould befragt. Am Dienstag war er in der Goldstadt zu Besuch.
24.02.2016

Die letzten Zeugen - Michel Arnould schreibt Geschichte französischer Zwangsarbeiter nieder

Ob die Gemüsehändlerin in Eutingen, die zwei jungen Männern Arbeit für ein Essen anbot, oder eine Hausfrau in Brötzingen, die Brot und Lebensmittel gegen einen Sack Kohle tauschte. Michel Arnould kann viele Geschichten über Pforzheimer erzählen, die den 1944 in die Goldstadt deportierten französischen Zwangsarbeitern halfen. Der pensionierte Deutschlehrer aus La Bresse – Sohn eines Deportierten – hat die Erzählungen der letzten Zeitzeugen in seinem Buch „Ils étaient à Pforzheim“ („Sie waren in Pforzheim“) niedergeschrieben.

Am Dienstag besuchte der 75-jährige Träger der Pforzheimer Bürgermedaille mit sieben weiteren Delegierten aus den Vogesengemeinden La Bresse, Cornimont und Ventron den Ort, an dem sein Vater den Bombenangriff 1945 miterlebte. Er musste als Holzfäller in Brötzingen arbeiten.

„Sicherlich war Pforzheim ein Ort, an dem die Deportierten gelitten haben“, erzählte Arnould im „Comedia“, wo die Delegation mit Vertretern der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) zu Mittag aßen, bevor es gemeinsam zur Gedenkfeier auf den Hauptfriedhof ging. „Doch sie litten nicht unter Gewalt, sondern unter Hunger. Viele Pforzheimer haben den Zwangsarbeitern geholfen.“ Arnould spricht gar von einem „großen Abenteuer“, das die französischen Männer erlebten. Viele ihrer Erzählungen seien sehr positiv gewesen. „Sie erfuhren hier viel Menschlichkeit.“

Seit 2002 treffen sich Pforzheimer und Franzosen laut Hedda Otterbach, Vizepräsidentin der DFG, jährlich in der Goldstadt. Weil der Kreis der Deportierten immer kleiner wird, hat Arnould 2015 mit weiteren Angehörigen den Verein „Freunde Pforzheims – Les amis de Pforzheim“ gegründet. „Wir wollen die Erinnerung bewahren und die Freundschaft zu den Pforzheimern erhalten“, so der Vereinspräsident. „Der heutige Tag ist eine gute Gelegenheit, diese Verbindung zu leben.“