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Mitten im Bauch: Chefarzt Dr. Thomas Kowalski vom Siloah St. Trudpert Klinikum zeigt seinem Patienten Reinhard Buchter (rechts), wo der Stent eingesetzt wurde. Foto Meyer 

Die tickende Zeitbombe im Bauch: So lebensbedrohlich kann ein unentdecktes Aortenaneurysma werden

Pforzheim. Es war dieser eine Satz an seine Frau, der Reinhard Buchter aufhorchen ließ. Ob sie eigentlich wüsste, wie krank er sei, fragte der Arzt in der Notfall-Praxis. Da bekam Buchter Angst. Das ganze Wochenende schon hatte der 67-Jährige aus Königsbach-Stein  Schmerzen im Bauch gehabt. Am Montagabend wurden sie so unerträglich, dass ihn seine Frau in die Notaufnahme des Siloah St. Trudpert Klinikums fuhr. „Ich dachte, ich hätte vielleicht Nierensteine“, sagt Buchter. Nie im Leben hätte er vermutet, was der diensthabende Arzt beim Ultraschall entdeckte: ein Aortenaneurysma, mit einem Durchmesser von mehr als sieben Zentimetern.

„Da läuten alle Alarmglocken“, sagt Dr. Thomas Kowalski, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Siloah St. Trudpert Klinikum, „das Aneurysma war kurz vorm Platzen.“ Sofort wurde gehandelt und Buchter in einer Not-Operation ein Stent gesetzt. Das hat dem Rentner das Leben gerettet. Denn je größer eine solche krankhafte Erweiterung der Brust-, Bauch- oder Beckenschlagader ist, desto gefährlicher kann sie werden. Und dann steigt das Risiko, dass das Aneurysma reißt. „Das war mir zwar aus der Familie bekannt, aber ich habe eben nicht danach schauen lassen“, bedauert Buchter. Ein Fehler, der ihn das Leben hätte kosten können. Viele wissen nichts von der tödlichen Gefahr im Bauch. „Das tückische daran ist, dass man ein Aneurysma überhaupt nicht bemerkt“, sagt Kowalski. Und wenn, dann sei es meist schon zu spät.

Um vor allem Männer für dieses Thema zu sensibilisieren, hat die Klinik für Gefäßchirurgie daher die Aktion „Screening-Sommer“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit rund 50 Praxen aus der Region möchte sie bereits zum dritten Mal in Folge über diese gefährliche Krankheit informieren und zur Vorsorge-Untersuchung aufrufen. Denn Männer ab 65 Jahren – die Hauptrisikogruppe – haben als gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf ein einmaliges Ultraschall-Screening zur Früherkennung. Die Untersuchung zeigt, ob sich die Aorta verändert oder erweitert hat. Die kritische Grenze liegt bei einem Durchmesser von fünf Zentimetern. Dann besteht die Gefahr, dass das Aneurysma durch einen Gefäßwandriss platzt, es muss operiert werden. Bei dem minimal-invasiven Eingriff wird in der Regel eine Stent-Prothese über die Leistenschlagader per Draht von innen in das Aneurysma eingebracht. „Das Blut fließt dann durch den Stent, und es ist kein Druck mehr auf der Gefäßwand“, erläutert Kowalski.

Das spürte auch Reinhard Buchter gleich am Abend der Operation. Die Bauchschmerzen waren weg, drei Tage später konnte der 67-Jährige das Krankenhaus wieder verlassen. Und bei der jüngsten Kontroll-Untersuchung hat Kowalski festgestellt, dass das Aneurysma bereits geschrumpft ist. Drei Monate nach seiner Operation geht es Buchter gut. „Ich hatte damals ein ganzes Heer an Schutzengeln und großes Glück“, sagt er. Daher versucht der 67-Jährige auch, seine Bekannten für das Thema zu sensibilisieren. Denn statistisch haben vier Prozent aller Männer über 65 ein Aneurysma, in Pforzheim und Region theoretisch also rund 2000 Betroffene – mit lebensbedrohlichen Folgen, wenn es unentdeckt bleibt. „Daher gilt es, dafür das Bewusstsein zu schärfen“, sagt Kowalski.

Nicola Arnet

Nicola Arnet

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