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23.02.2012

Die über 17.000 Toten des 23. Februar mahnen zum Frieden

Pforzheim. Zum 67. Mal hat sich am Donnerstag einer der schwersten Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs gejährt, als an jenem Tag britische Bomber die Stadt Pforzheim in eine Trümmerlandschaft verwandelten, in der über 17 000 Menschen den Tod fanden. Zur zentralen Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof waren mehr als 300 Menschen gekommen.

Zum 67. Mal hat sich am Donnerstag einer der schwersten Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs gejährt, als an jenem Tag britische Bomber die Stadt Pforzheim in eine Trümmerlandschaft verwandelten, in der über 17 000 Menschen den Tod fanden. Bei der zentralen Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof, zu der über 300 Menschen gekommen waren, sagte Oberbürgermeister Gert Hager: „Wir wollen nie wieder Anlass für solch eine Trauer haben, daher mahnen wir heute auch eine Politik und eine Gesellschaft an, die sich zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, zu Toleranz, Pluralismus und Gewaltfreiheit bekennt.“
Unter den Opfern des 23. Februar 1945, so das Stadtoberhaupt, befanden sich auch Hunderte von Menschen, die nicht freiwillig in Pforzheim weilten. Sie seien ihrer Heimat beraubt worden, verschleppt und gezwungen, für den deutschen NS-Staat zu arbeiten, „der gleichzeitig einen verbrecherischen Krieg gegen ihre Heimatländer führte.“ Es waren Zwangsarbeiter aus Polen, aus Frankreich und der damaligen Sowjetunion „die in Fabriken arbeiten mussten, die dem nationalsozialistischen Deutschland den Krieg ermöglichten und deren Waffen ihren Landsleuten zu Hause den Tod brachten.“
Unter den Toten in Pforzheim hätten sich aber auch Soldaten befunden. Unter ihnen wie unter den zivilen Opfern hätten sich überzeugte Nationalsozialisten befunden, die noch im Februar 1945 „in ideologischer Verblendung die Augen vor den Realitäten verschlossen und noch immer auf das Ziel eines Endsiegs hinarbeiteten. Es seien aber auch Menschen betroffen gewesen, die angesichts der aussichtslosen Lage ihren politischen Glauben verloren hatten oder zumindest zweifelten, sowie solche, die von Beginn an die Nationalsozialisten verachtet, sie ignoriert oder bekämpft hatten.
Und Hager betonte, dass sich die Erinnerung an den 23. Februar 1945 nicht in der Trauer um die Toten dieses Abends erschöpfen dürfe. Die Trauer schließe das Gedenken an die vielen Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs mit ein. In dem auch aus Pforzheim Menschen wegen ihrer vermeintlichen Rassezugehörigkeit, wegen ihres Glaubens, ihrer politischen Überzeugungen, ihrer sexuellen Neigungen oder ihrer Krankheiten ermordet wurden.
Aus der Partnerstadt Gernika nahm eine Delegation an der Gedenkfeier teil. Im Spanischen Bürgerkrieg war das Baskenstädtchen am 26. April 1937 von der deutschen „Legion Condor“ bombardiert worden. Und die deutsche Luftwaffe hatte auch auf das englische Coventry am  14. November 1940 einen Angriff geflogen, der das Stadtzentrum in Flammen setzte. Von Coventry aus sei nach 1945 die Versöhnungsarbeit ausgegangen, die ihren Ausdruck unter anderem in der Nagelkreuzgemeinschaft gefunden hat. Als Gast nahm Canon (Domkapitular) David Porter an der Gedenkfeier teil. Er betonte, dass es für ihn ein sehr bewegender Moment sei, „heute hier bei Ihnen sein zu können“. Trotz aller Schmerzen und schrecklichen Erinnerungen sei es ein großartiges Geschenk, mittlerweile in Freundschaft miteinander leben zu können.
Der evangelische Dekan Hendrik Stößel sprach an, dass es bis heute Menschen gebe, bei denen das Geschehen des 23. Februar 1945 so lebendig sei, dass sie bei jedem Tiefflieger, bei jedem donnernden Geräusch angstvoll zusammenzucken. „Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein“, sagte er. Es sei unsere Pflicht, allem entgegen zu treten, was in Gedanken und Worten brandstiftend sei. „Lasst in dieser Welt die Waffen schweigen“, forderte der katholische Pfarrer Georg Lichtenberger in seinem Gebet. Die Feierstunde wurde von der Bläsergruppe des Musikzugs der Feuerwehr umrahmt.