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Technisches Gebäude mit Stil: Kunsthistorikerin Christina Klittich (mit Unterlagen in der Hand) zeigt den Führungsteilnehmern den Postkraftwagenhof an der Zeppelinstraße. Foto: Tilo Keller
Technisches Gebäude mit Stil: Kunsthistorikerin Christina Klittich (mit Unterlagen in der Hand) zeigt den Führungsteilnehmern den Postkraftwagenhof an der Zeppelinstraße. Foto: Tilo Keller
09.09.2018

Die verborgenen Schätze der Oststadt – Führung am Tag des offenen Denkmals

Pforzheim. Heike Schlatterer ist neugierig. „Man wohnt zwar hier, aber manche Ecken kennt man überhaupt nicht“, sagt sie. Daher war der Tag des offenen Denkmals für die Pforzheimerin eine gute Gelegenheit, diese Lücke zu schließen. Zusammen mit rund weiteren 30 Interessierten nahm sie am Sonntag an einer Führung durch die Oststadt teil, um dort von Kunsthistorikerin Christina Klittich viel Spannendes über den Stadtteil zu erfahren, der für viele fremd und unbekannt ist.

Dabei hat er einige bauliche Schätze zu bieten. So etwa an der Zeppelinstraße. „Wenn man hier durchfährt, beachtet man die Schönheit der Häuser meist nicht“, weiß Klittich. Tatsächlich schweift der Blick erst dann auf die mit kleinen Putten verzierten Fassaden der Jugendstilhäuser, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird. Ihren Namen erhielt die Straße im Jahr 1912 wegen eines Ereignisses, das zwei Jahre zuvor mächtig Eindruck auf die Pforzheimer gemacht hatte. 1910 kreiste über der Goldstadt ein Zeppelin – ein beeindruckendes Schauspiel für die Menschen.

Doch nicht nur diese kleine Anekdote hatte Klittich auf dem eineinhalbstündigen Rundgang im Gepäck. Schon zu Beginn der Tour erläuterte die Kunsthistorikerin die Grabstätten auf dem Alten Friedhof, der 1863 zum Nachfolger des oberen Altstädter Kirchhofs wurde. Allerdings nur 14 Jahre lang, dann wurde das Areal, auf dem sich heute der Oststadtpark befindet, bereits wieder zu klein. Schließlich war Pforzheims Einwohnerzahl binnen 20 Jahren von 10.000 auf 25.000 Menschen angewachsen – und der heutige Hauptfriedhof musste angelegt werden. Doch liegen auf dem Alten Friedhof die Grabstätten bedeutender Pforzheimer. Wie etwa das mit drei die Kardinaltugenden Glaube, Liebe und Hoffnung verkörpernden Figuren versehene Grabmal der Familie Bohnenberger. Der Schmuckfabrikant Theodor Bohnenberger ließ einst an der Westlichen, wo nun die Schlössle-Galerie ihren Platz hat, seinen edlen Wohnsitz errichten, das Bohnenberger Schlössle. Und auch Grabmale der Familie Benckiser oder Pforzheims großer Wohltäterin Emma Franziska Jaeger sind zu finden. Auch auf frühe Reihenhäuser an der Stückelhäldenstraße, die 1896 nach englischem Vorbild mit Sichtziegelfassade als Arbeiterwohnhäuser errichtet wurden, lenkte Klittich den Blick der Teilnehmer, genauso wie auf drei Zeilenbauten aus den Jahren 1949 und 1950 mit ihrem Wandbild, das Zerstörung und Neuaufbau der Stadt darstellt. Zudem besichtigte die Gruppe den Postkraftwagenhof an der Zeppelinstraße und das Industriedenkmal Gasometer, wo im Anschluss eine weitere Führung und Besichtigung stattfand.

Der Tag des offenen Denkmals fand zum 25. Mal statt und stand unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“. Mit dabei waren in diesem Jahr in Pforzheim unter anderem die Evangelische Stadtkirche, die Landesarchäologie, der Hauptfriedhof, das Schmuckmuseum im Reuchlinhaus und das Technische Museum.