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Einen Handyschutz wollte der Täter mit Falschgeld bezahlen: Händler Abdelkader Zarioh ist nach dem Vorfall erschüttert und lädiert. Foto: Erb
Einen Handyschutz wollte der Täter mit Falschgeld bezahlen: Händler Abdelkader Zarioh ist nach dem Vorfall erschüttert und lädiert. Foto: Erb
21.06.2017

Dieser Händler stoppte den Falschgeld-Spuk auf der Pforzemer Mess

Pforzheim. Vermutlich werden etliche Schausteller und Krämermarkthändler ihrem Kollegen Abdelkader Zarioh auf die Schulter klopfen wollen. Schließlich hat er sie womöglich davor bewahrt, dass weitere falsche Fuffziger den Kassensturz trüben. Sie sollten aber vorsichtig zu Werke gehen. Denn der 67-jährige Verkäufer von Handyhüllen hat nicht nur seelisch, sondern auch körperlich unter den Folgen einer beängstigenden Begegnung zu leiden.

Täter wird handgreiflich

Wie berichtet, hatte ein 37-jähriger Pforzheimer am Sonntagabend versucht, auf der Mess Falschgeld an den Mann zu bringen. Es war Zarioh, der den Nepp bemerkte und so weitere polizeiliche Ermittlungen ermöglichte. Rund 30 Gramm Marihuana, mutmaßliches Dealgeld, diverse Drogenutensilien sowie zwei erlaubnisfreie Waffen stellten Beamte in der Wohnung des Täters sicher.

Dass der Schrecken nachwirkt, ist Zarioh auch zwei Tage danach anzumerken. Mit leiser Stimme schildert er, wie der Mann bei ihm für zehn Euro einen Displayschutz fürs Handy kaufen wollte und mit besagtem Fünfziger bezahlte. Wie er stutzig wurde – schon vor Jahren habe die Zivilpolizei vor Falschgeld gewarnt, das in der Region kursiere. Wie er die Polizei rufen und das Display zurückhaben wollte. Wie der Täter ihn mit beiden Händen derart heftig am Brustkorb geschubst habe, dass er mit dem Rücken gegen eine Eisenstange an seinem Stand prallte. Und wie er zu Fuß den Flüchtenden verfolgte, der sich auf sein Fahrrad schwang, aber nach etwa 150 Metern stürzte und von Krämern und Passanten so lange festgehalten wurde, bis die Polizei zur Stelle war.

Zarioh berichtet, dass der Täter zwischenzeitlich sogar versucht habe, den Spieß umzudrehen und sich selbst zum Opfer zu stilisieren. „Mehrere Kollegen bestätigten aber, dass ich ihn nicht geschlagen habe“, sagt der Senior, der seit dem Vorfall krankgeschrieben ist. Zarioh hat Rückenschmerzen und klagt über ein Gefühl der Enge in der Brust. Sein eigentlich als Busfahrer tätiger Sohn habe eigens aus Düsseldorf anreisen müssen, um am Krämermarktstand einzuspringen.

Abdelkader Zarioh junior (30) ist stolz auf seinen Vater und auf den Zusammenhalt der Mess-Leute: „Wir sind hier wie eine große Familie.“

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