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Nicht auf dem Marktplatz, sondern dezentral wird das Lichtermeer in diesem Jahr stattfinden. Bürger stellen am Abend des Gedenktags Kerzen in ihre Fenster oder vor die Tür. Die Kundgebung kann online verfolgt werden. 

Digitales Gedenken: Pforzheim beschreitet 76 Jahre nach dem Bombenangriff neue Wege

Pforzheim. Im Moment deutet alles darauf hin, dass der diesjährige 23. Februar ein richtiger Gedenktag werden könnte. Zwar ein deutlich anderer als in den Jahren zuvor, aber eben auch einer ohne das Aufeinandertreffen von Rechten und Linken. Es sei wichtig, mit den Veranstaltungen im digitalen Raum ein Zeichen zu setzen, betonte OB Peter Boch am Montag beim Pressegespräch. Der Vielfalt tue dies keinen Abbruch, so die stellvertretende Kulturamtschefin Claudia Baumbusch. Im Gegenteil: Trotz aller Herausforderungen für die Mitwirkenden biete sich die Chance, „das Gedenken auch künftig auf zusätzliche Beine zu stellen.“

Gedenken auf dem Hauptfriedhof, 15 Uhr:

Im Livestream können Bürger mitverfolgen, wie OB Peter Boch, die evangelische Dekanin Christiane Quincke und der stellvertretende katholische Dekan Georg Lichtenberger der Opfer des Luftangriffs vor 76 Jahren gedenken und Kränze niederlegen. „Wir wollen das künftig als Hybridveranstaltung vor Ort und digital beibehalten“, blickte der Rathauschef voraus.

Offene Kirchen:

Um zu beten oder eine Kerze anzuzünden, können Bürger in die Schloßkirche (10 bis 20.30 Uhr), die Stadtkirche (14 bis 20.30 Uhr), die Altstadtkirche (15 bis 17 Uhr) sowie die Auferstehungskirche (10 bis 16 Uhr) gehen.

Pforzheim+

Der Tag, der Pforzheim für immer veränderte: Multimedia-Reportage zum 23. Februar

Virtuelle künstlerische Lesung, 18.30 Uhr: Schauspielerin Nika Wanderer liest den Brief einer Zwangsarbeiterin. „So geben wir der Erinnerung eine Stimme“, sagte Theaterintendant Thomas Münstermann. Abrufbar ist der Beitrag auf www.theater-pforzheim.de und auf Facebook.

Ansprache des OB und Friedensbotschaft, 19.20 Uhr:

Das Lichtermeer auf dem Marktplatz entfällt. Bochs Ansprache sowie die Friedensbotschaft des Rats der Religionen steht ab 19.20 Uhr im Internet bereit. „Die Kundgebung ist als Reaktion auf die missbräuchliche Instrumentalisierung des Tags durch die Neonazis entstanden“, so Quincke. Das Thema bleibe.

Glockengeläut und „Lichter in der Stadt“, 19.50 Uhr:

Während die Glocken der Pforzheimer Kirchen für 20 Minuten – die Zeitdauer der Bombardierung 1945 – läuten, können Bürger Kerzen ans Fenster, vor die Türe oder in den Garten stellen und so Teil eines dezentralen Lichtermeers werden.

Daneben beschäftigen sich auch die Schulen mit dem Gedenktag. Das Nagelkreuz wird an die Friedensgemeinde übergeben, begleitend laufen Ausstellungen und sind Filme über das Koki abrufbar.

Die Veranstaltungen des offiziellen Programms sind abrufbar auf www.pforzheim.de/23februar 

Anke Baumgärtel 2

Anke Baumgärtel

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