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24.02.2009

Dill-Wei-Ho: Tausende Narren beim Fasching in Dillweißenstein

Faschingsdienschdig in Dillschde: Süßes für die Kostümierten, Saures für die Politik. „Dill-Wei-Ho“ und „Hex-hex-kräh“. Zehntausende säumen beim Umzug die Straßen. In „Rucki-Zucki”-Stimmmung schunkeln sie.

Der Bär ist los – nicht nur auf dem Ludwigsplatz. Ein ganzer Stadtteil ist im Ausnahmezustand. „Ich verspreche Euch keine Westtangente, aber einen schönen Umzug“, sagt Oberhexenmeister Thomas Häffelin. Die Bürgervereins-Vorsitzende Dietlinde Hess dichtet zum Thema: „Die Westtangente darf kein Witz sein,/ das wünschen sich von den Politikern die Bürger von Dillweißenstein.“

Vor allem die Kommunalpolitik bekommt ihr Umzugs-Fett weg: Neben der Westtangente werden Pforzheimer Traditionsveranstaltungen wie das Marktplatzfest und das Stadtfest von den Narren des „MSC Bänkle“ zu Grabe getragen. Außerdem wird die Forderung für „ein Quantum Obst“ und das Verbleiben des Wochenmarkts auf dem Turnplatz vom Turnerbund 1876 Dillweißenstein erhoben. Die Naturfreunde warnen vor einem Abschmelzen der Pole und erklären : „Willkommen am Po (o)l“.
„100 Jahre Fußball im Hinteren Tal, mal zur Freude, mal zur Qual“, dichtet die Spielvereinigung Dillweißenstein. Die SPD fordert auf ihrem Umzugswagen den Mindestlohn und fragt: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Sie hat ihren Wagen mit Aufklebern aus der „CDU-Hungerlohnzentrale“ plakatiert. Alle Parteien hatten die Möglichkeit, beim Umzug einen Wagen zu stellen, aber nur die SPD hat davon Gebrauch gemacht.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Rülke fährt lieber als Pirat verkleidet auf dem Wagen der „Pforzheimer Faschingsgesellschaft“ und dem Motto „120 Jahre Bertha Benz“ mit. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast hat auf dem Wagen der KG-Ho den vollen Umzugsüberblick.

„Die Finanzkrise ist keine Schand’ , wir haben volle Lehman-Geldkoffer in der Hand“, propagiert die KG-Ho. Besonders positiv wird von vielen Zuschauern vermerkt, dass auch Behinderte der Lebenshilfe in den Umzug integriert sind und einen Heidenspaß daran haben. Erstmals vertreten sind die Schlesier Narren der Faschingsgesellschaft „Silesia“. Auch „Stadtbullen” laufen mit. Wohlgemerkt, das sind keine Polizisten, sondern so heißt eine Sindelfinger Gruppe. Ein Schalk, wer Böses dabei denkt.

Alle sind da, die die Pforzheimer Narren ein Jahr lang so heiß herbeigesehnt haben: Die Goldmasken der Pforzheimer Faschingsgesellschaft, die hübschen KG-Ho-Tanzgarden, die immer sprungbereiten Kräheneck-Hexen, die flotten Musikanten der Leutrum-Garde Würm. Und natürlich Ritter Belrem und Zuleima – unsterbliche Gestalten des Traditions-Faschings in Dillschde: Einfach sagenhaft.
Vergessen sind alle Widrigkeiten der Vorbereitung – auch bei den Freizeit-Fußballern „Fairplayers”, die 52 Umzüge verstreichen ließen, um jetzt endlich ihren ersten Motivwagen zu stellen.

Insgesamt 1500 närrische Akteure ziehen an einem Strang und haben bereits das aktuelle Umzugs-Motto der Spielvereinigung Dillweißenstein im Hinterkopf „Ob Hager oder Augenstein, kümmert Euch um Dillweißenstein.” Auch der Bürgerverein Dillweißenstein und die Feuerwehr-Abteilung gehören neben den Pforzheimer Traditionsvereinen des Faschings zu den organisatorischen Urgesteinen. Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen („Kawumm”). Hat da nach Umzugsende jemand „Pfo-fä-bu“ („Pforzheim fährt Bus“) gerufen? Einer? Hunderte – und das, obwohl in dem ein oder anderen Bus in den vergangenen Wintertagen die Heizung ausgefallen sein soll. Aber Narren frieren nicht so leicht. Sie verstehen es, sich anders warmzuhalten, fühlen sich als Überflieger und „stark wie ein Tiger“ und singen immer, immer wieder: „So ein schöner Tag“.