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06.11.2008

Diskussion im Forum: Pforzheims Innenstadt braucht Riesenschritte statt Reparaturbetrieb

PFORZHEIM. Es muss ein Ruck gehen durch Pforzheim – und jeder muss sich an die eigene Nase fassen: Bürger, Konsumenten, Händler, Politiker, Verwaltung. Sonst tut sich nichts – das ist das Fazit einer Veranstaltung im PZ-Forum.

Die Argumente und das Lamento unterschieden sich nur in Nuancen von ähnlichen Runden, in denen es um Nabelschau, Bestandsaufnahme und Lösungsmöglichkeiten in Sachen attraktive Pforzheimer Innenstadt ging: Die Fußgängerzonen ähneln sich immer mehr, Billigheimer und Franchise-Unternehmen machen Citys beliebig; der innerstädtische Handel klagt über den Kaufkraftverlust zugunsten der „grünen Wiese“ oder der Städte Stuttgart, Karlsruhe, München; die Zerrennerstraße ist eine Zer-Trenner-Straße; Filialisten geben ebenso auf wie kleine Einzelhändler.

„Die Politik muss bessere Rahmenbedingungen schaffen“, fordern die Händler, an ihrer Spitze Horst Lenk, ihr Präsident. Die Kaufkraft sei da, konterte Wirtschaftsförderungs-Chef Christoph Dickmanns: In Pforzheim stehe man an 55. Stelle unter 240 deutschen Städten. Doch was nützt das, wenn das Ambiente fehlt? Hermann Schütz vom Verein „Pforzheim mitgestalten“ will eine optische Aufwertung insbesondere des Leopoldplatzes. Motto: Nur wer flanieren, sich erfreuen kann am Innern einer Stadt, geht auch gerne einkaufen und lässt Geld in den Kassen der Händler.

So geschehen und nachweisbar in Nagold. Deshalb hatte PZ-Chefredakteur und Moderator der Innenstadt-Diskussionsrunde, Jürgen Metkemeyer, im PZ-Forum auch Nagolds umtriebigen Oberbürgermeister Rainer Prewo eingeladen. Dort erfolgte Ende der 90er-Jahre eine radikale Kehrtwende zur Aufwertung der City, unter anderem durch Stärkung des Einzelhandels, den Bau einer Umgehungsstraße, das Errichten von Brunnen – die Innenstadt als Wohlfühl-Raum (die PZ berichtete). Natürlich könne man das nicht eins-zu-eins auf Pforzheim übertragen, sagte Prewo.

Rathaus-Chefin Christel Augenstein machte sich nicht nur Freunde mit ihrer Auffassung, das Angebot mancher Einzelhändler sei „nicht immer auf der Höhe der Zeit“. Bei einigen Stadträten erntete Augenstein leichtes Kopfschütteln, als sie die Gemeinderatsmehrheit dafür verantwortlich machte, dass der Stadtentwicklungsplan wieder in der Schublade verschwunden sei. Sie forderte „ein Denken und Handeln weit über Wahlen hinaus“. Man dürfe nicht jeder Gegenströmung nachgeben.

Pläne auf Eis

Sie hat noch nicht verwunden, dass sie die Umzugspläne des Wochenmarkts vom Turn- auf den Marktplatz zumindest vorübergehend auf Eis legen musste. Gleichwohl gibt sie sich kämpferisch: „Noch ist Polen nicht verloren.“ Markt und verkaufsoffener Sonntag – wie nicht anders zu erwarten, waren es unter anderem diese beide Reizthemen, die auch bei den Fragen aus dem Publikum eine große Rolle spielten. In Sachen Shoppen am Sonntag deute sich aber an, dass es aus Sicht des Handels zu einer befriedigenden Lösung kommen werde, hofft Horst Lenk. Dass die Abstimmung im Gemeinderat vor ein paar Wochen in die Hosen gegangen sei, sei ein „Unfall“ gewesen, habe ihm ein Stadtrat zu erklären versucht.

Beim Regierungspräsidium Karlsruhe liegt seit Montag ein überarbeiteter Entwurf eines Alternativkonzepts für verkaufsoffene Sonntage. Die Verwaltung ist zuversichtlich, dass es diesmal klappt. Doch es müssten mehr Schritte getan werden, mutige, große – „sonst führen wir in zehn Jahren noch die gleiche Debatte und sind keinen Schritt weiter“, so Jürgen Metkemeyer.