nach oben
Informationen zum Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Pforzheim gaben Oberbürgermeisterin Christel Augenstein (links) sowie Axel Kühn und Ulrich Noßwitz (von rechts) als Planer gestern Abend im CongressCentrum. Rund 150 Interessierte – Vertreter der Verwaltung, des Gemeinderats und Bürger – waren gekommen.
Informationen zum Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Pforzheim gaben Oberbürgermeisterin Christel Augenstein (links) sowie Axel Kühn und Ulrich Noßwitz (von rechts) als Planer gestern Abend im CongressCentrum. Rund 150 Interessierte – Vertreter der Verwaltung, des Gemeinderats und Bürger – waren gekommen. © Seibel
25.03.2009

Diskussion um Verkehrsentwicklung: Noch fehlt der große Wurf

PFORZHEIM. Szenarien für ein schöneres Pforzheim gibt es viele, aber überall in der Verkehrsentwicklungs-Planung treten Zielkonflikte auf. Dies war am Mittwochabend das Ergebnis einer Bürgerinformation im CongressCentrum.

Keine „Zertrennerstraße“, aber die Flüsse in das Stadtbild einbeziehen und erlebbar machen. So stellt sich Oberbürgermeisterin Christel Augenstein unter anderem die Weiterentwicklung des Verkehrsentwicklungsplans vor. Die Stadt habe bereits auf vielen Gebieten Fortschbritte erzielt. Dazu gehörten Kreisverkehre, die Zweite Buckenberg-Auffahrt, vier Autobahn-Anschlüsse, oder der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit der Stadtbahn von und nach Karlsruhe sowie die Enztalbahn oder das Pforzheimer Busnetz, das dem Bedarf kontinuierlich angepasst werde – zuletzt mit der neuen Linie 11. Doch man dürfe sich zu Recht fragen: „Wo bleibt der große Wurf in dieser Stadt?“

Westtangente unumgänglich

Alle Verkehrsteilnehmer vom Fußgänger über den Radler bis zum Autofahrer sollten möglichst gleiche Chancen im Verkehrsnetz haben. Das Angebot für Radfahrer und Fußgänger zum Beispiel entlang der Flüsse zu verbessern, sei allemal ein lohnendes Ziel, so Augenstein. Bei allen Planungen gebe es aber zur Westtangente keine Alternative.

Ulrich Noßwitz vom Planungsbüro Dr. Brenner (Aalen) und Axel Kühn als beauftragter ÖPNV-Experte stellten bei der Bürgerinformation die Grundzüge und Planungsszenarien eines künftigen Verkehrsentwicklungsplans dar. Noßwitz schlug vor, die innerstädtischen Grünanlagen besser miteinander zu vernetzen, die teilweise mangelhaften Haltestellenbereiche im öffentlichen Nahverkehr besser zu gestalten sowie das Radverkehrsnetz attraktiver auszubauen.

„Jeder, der auf alternativen Verkehrsmitteln zum Auto sein Ziel in Pforzheim erreichen will, sollte das können“, sagte er. Es gehe aber darum, den Anstieg des Auto-Anteils am Gesamtaufkommen in den Jahren 1990 bis 2000 in Pforzheim von 48 auf 58 Prozent wieder umzukehren.

Mit einem Parkring in der City und einem etwas weiter gefassten Innenstadtring (mit der Güterstraße als nördlicher Achse, der Westtangente und einer Brücke über die Enz in der Oststadt) sowie einer durchgängigen unterirdischen Tiefgaragenerschließung der Zerrennerstraße könnte der Verkehr reduziert werden, erläuterte Noßwitz. Dann könnte die Zerrennerstraße zum Stadtboulevard umgebaut werden könnte.

Axel Kühn, der sich mit der Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs auseinandersetzte, betonte, dass aus einer Busstadt keine funktionierende Stadtbahn- oder Straßenbahnstadt gemacht werden könne. Dem stehe die Topografie mit ihren Höhenverhältnissen entgegen. Eine Stadtbahn von Brötzingen zum Hauptbahnhof könne, technisch gesehen, die Bahnhofstraße „nicht erklimmen“. Man sollte vielmehr ein höherwertiges Bussystem auf eigenen Trassen führen und deren Stammlinien ausbauen. Und die Frage „Busse raus vom Leopoldplatz?“ stellte und beantwortete er gleich selbst: Der Leo sollte als zentrale Bushaltestelle beibehalten werden. Aber es müsste die Aufenthaltsqualität, die Fahrbahn ist sehr breit, verbessert und der übrige Verkehr herausgehalten werden.

Unter den Bürgern, die sich zu zu Wort meldeten, befand sich auch IHK-Hauptgeschäftsführer Burkhard Thost, das für die Wirtschaft die Erreichbarkeit der Stadt ebenso wichtig sei wie ein attraktiver Lebensraum. Mit Blick auf Kosten, Zeit und Machbarkeite sprach er sich dafür aus, nicht von Dingen zu träumen, sondern eine Verkehrslenkung vor Ausbau- und Neubau in Angriff zu nehmen.

Was ist finanziell machbar?

Mit Blick auf eine Zielsetzung für das Jahr 2020 soll die Bürgerbeteiligung in verschiedenen Foren den Verkehrsentwicklungsplan zu einem Gesamtwerk machen. Das wird dann dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt. „Dann müssen wir sehen, was wir finanziell verwirklichen können, um dieses dann als Erstes umsetzen,“ sagte sie. Es sei daher schwer, heute schon Zeiträume zu nennen.

Aktuelle Informationen auf der Internetseite der Stadt Pforzheim www.pforzheim.de und dem Stichwort „Verkehrsentwicklungsplan“.