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Drogen übers Internet bestellt und verkauft – das Schöffengericht in Pforzheim verurteilte einen jungen Mann zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Symbolbild: dpa
Drogen übers Internet bestellt und verkauft – das Schöffengericht in Pforzheim verurteilte einen jungen Mann zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Symbolbild: dpa
17.01.2016

Drogen übers Darknet bestellt und verkauft

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Karl-Michael Walz hat den wegen Drogendelikten angeklagten Alfons F. (Name geändert) zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Außerdem friert man 3000 Euro seines Vermögens für die Dauer der Bewährung von drei Jahren ein.

Er hatte zugegeben, für etwa 10.000 Euro Drogen im sogenannten Darknet bei einem Onlineshop namens „Shiny Flakes“ erstanden und damit gehandelt zu haben. Das Darknet ist ein anonymes Unternetzwerk des Internets. In einem Zeitraum von rund vier Monaten habe F. insgesamt elf Bestellungen getätigt, so Staatsanwalt Michael Ramöller. Sie umfassten unterschiedliche unters Betäubungsmittelgesetz fallende Stoffe, darunter Amphetamine und Ecstasy im Kilogrammbereich, ebenso wie Haschisch, Kokain und die Partydroge MDMA.

Der geständige Angeklagte gab an, meist gut die Hälfte der Bestellung selbst konsumiert zu haben. Den Rest habe er weiterverkauft. Speziell in den vergangenen eineinhalb Jahren sei sein Konsum aufgrund von Stress und einer gescheiterten Lehre in die Höhe geschossen. Um seine Sucht zu finanzieren, war er ins Drogengeschäft eingestiegen. Der finale Auslöser sei ein Werbebanner des Onlineshops auf einer Downloadseite für Filme gewesen. Der Fall wurde aufgedeckt, da die Leipziger Polizei „Shiny Flakes“ auf die Schliche kam.

Bei Durchsuchungen der Geschäftsräume vor Ort stellte man etwa 300 Kilogramm unterschiedlicher Rauschgifte und die Kundendaten sicher. Aus den Bestellprotokollen ergaben sich fünf- bis sechstausend Namen weltweit. Alfons F. war einer von ihnen. Seit der Aufdeckung habe der Beschuldigte jedoch seine Lebensführung tiefgreifend geändert, betont sein Verteidiger Cornelius Schaffrath. Er entschloss sich zu einer „abstinenten und legalen Lebensführung mit beruflicher Ausbildung“. Seine Bemühungen um einen Platz in einem Therapiezentrum trugen Früchte.

Staatsanwalt Ramöller forderte zwei Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe, ebenso wie eine Geldstrafe von 6300 Euro. Die Verteidigung hingegen lenkte den Blick auf die Reue und den Willen des Angeklagten, sich durch die Therapie zu ändern. Außerdem zähle laut Bundesgerichtshof keine der fraglichen Substanzen als „harte“ Droge. Daher seien zwei Jahre auf Bewährung mit der Auflage seine Therapie fortzusetzen angemessen. Das Schöffengericht entschied sich schließlich für den Vorschlag Schaffraths.