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Eine zweijährige Haftstrafe ohne Bewährung muss ein aggressiver, drogensüchtiger Ladendieb aus Kasachstan antreten. Symbolbild: dpa

Drogensüchtiger Ladendieb muss für zwei Jahre in Haft

Pforzheim. Wie ein zunächst recht harmloser Jackendiebstahl in eine höchst brenzlige Situation entarten konnte, daran wird sich ein Pforzheimer Kaufhausdetektiv wohl noch lange Zeit erinnern. Denn nachdem er den Langfinger gestellt hatte, gingen diesem ganz gehörig die Nerven durch: Mit einer gezückten Rauschgiftspritze drohte der Dieb aus Kasachstan, den Detektiv mitten im Laden abzustechen – was jedoch misslang. Jetzt hat sich ein Gericht der Sache angenommen.

Das Ganze ereignete sich Ende Oktober vergangenen Jahres. Knapp drei Monate später zog der Kasache erneut los, um dieses Mal ein Parfüm in Höhe von zirka 80 Euro zu erbeuten. Seinen Diebeszug gestaltete der 39-Jährige mit allerhand Werkzeug im Gepäck: Wie schon beim ersten Mal sollte die Ware in einer für den Detektor undurchdringlichen Isotasche verschwinden, hinzu kamen ein Seidenschneider, eine Schere, ein Schraubenzieher, ein Messer und erneut die Spritzen, die eigentlich für Methadon vorgesehen waren. Erneut ging der Täter dabei einem Ladendetektiv ins Netz. Einer Verfolgungsjagd zu Fuß durch die Innenstadt folgten mehrere kleine Rangeleien, wobei der Kaufhaus-Angestellte jedes Mal die Oberhand behielt.

Im Zuge der Verhandlung am Donnerstagvormittag sprach Richter Oliver Weik eine zweijährige Haftstrafe ohne Bewährung aus. Zuvor hatte Staatsanwalt Marius Walz eine Sicherheitsverwahrung von knapp zweieinhalb Jahren gefordert, während Verteidiger Stefan Rothenstein lediglich auf drei Monate auf Bewährung plädierte.

Denn vor allem die Drogensucht und die Vorgeschichte des Angeklagten gestalteten sich alles andere als einfach: So gab Richter Weik während der Verhandlung bekannt, der Kasache hätte insgesamt 26 Vorstrafen auf dem Kerbholz – unter anderem wegen Beleidigung, Diebstahl und Urkundenfälschung – und hätte demzufolge bereits ein Viertel seines Lebens im Gefängnis verbracht. Aufgrund seiner depressiven Neigungen ist er zudem in der Psychiatrie in Hirsau bekannt. Da ist von einem gewalttätigen Vater die Rede, worauf jedoch nicht näher eingegangen wurde. Am Schwersten wiegt jedoch die starke Heroinsucht, wegen der der Angeklagte vermutlich erneut kriminell wurde, um sein Diebesgut in Drogen zu investieren. Sowohl vonseiten des Gerichts als auch eines Gutachters der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart-Stammheim gilt der Täter als nur sehr schwer bis überhaupt nicht therapierbar. Eine akute Hepatitis C-Erkrankung käme ebenfalls hinzu.