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23.07.2016

Ehemaliger PZ-Redakteur zu München: „Lasse mir das Leben nicht kaputtmachen“

Popstar Mark Forster wollten sie sehen und hören. Doch dann erlebten sie plötzlich live den Terroralarm in München. Der gebürtige Pforzheimer Moritz Homann und seine Freundin befanden sich im Olympiapark, als die ersten Schüsse fielen. Seine Erlebnisse und Gefühle schilderte der ehemalige Redakteur der „Pforzheimer Zeitung“ gestern Abend im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“.

PZ: Herr Homann, wie haben Sie den gestrigen Abend in München erlebt?

Moritz Homann: Wir wollten eigentlich auf ein Konzert von Mark Forster in den Olympiapark gehen, waren also nur etwa zwei Kilometer vom ursprünglichen Tatort entfernt. Dann habe ich per Pushmeldung die Nachricht bekommen, dass es Schüsse im Olympia-Einkaufszentrum gegeben hat. Meiner Freundin wurde daraufhin etwas unwohl. Deshalb haben wir entschieden, uns auf den Heimweg zu machen. Wir sind dann raus aus dem Festivalgelände – in dem Konzertzelt waren sicher rund 2000 Menschen versammelt. Auf der nächsten Hauptstraße waren die Leute schon recht aufgeregt und schauten nur noch auf ihre Smartphones. Wir wollten eigentlich ein Taxi nehmen, was aber aussichtslos war. Plötzlich bekamen wir die Nachricht, dass keine Busse, keine S-Bahn, keine U-Bahn und keine Tram mehr fahren und haben uns dann zu Fuß nach Hause aufgemacht. Irgendwann haben wir aber dann doch ein Taxi bekommen und konnten Gott sei Dank nach Hause fahren.

PZ: Die Polizei hat den Terroralarm ausgerufen. In der Silvesternacht gab es solch einen schon einmal in München. Wie sensibilisiert waren Sie, dass so etwas passieren könnte?

Ich habe tatsächlich den Terroralarm in der Silvesternacht unmittelbar mitbekommen. Das war schon damals ein sehr komisches Gefühl. Ich muss sagen, dass ich jetzt im Olympiapark nicht unmittelbar an Terror gedacht habe, und hoffe nach wie vor, dass es sich nicht um einen islamistisch motivierten Amoklauf handelt. Ich war bislang auf dem Standpunkt, man sollte sich von der Terrorgefahr nicht beeindrucken und verrückt machen lassen. Im Laufe des gestrigen Abends habe ich mich allerdings eines Besseren belehren lassen. Ein mehr als mulmiges Gefühl lässt mich nicht los.

PZ: Wie wird das gestrige Ereignis Ihr Leben in München verändern?

Ich denke, die nächsten Tage werden etwas komisch werden und sicherlich werde ich auch gehemmt sein, nach draußen zu gehen. Ich hoffe aber und werde darauf hinarbeiten, dass es mein Leben und mein Leben meiner Freunde und meiner Familie hier in München nicht nachhaltig beeinflusst, sondern ich es als singuläre Tat eines oder mehreren Verrückten begreife. Ich möchte mir von denen nicht das alltägliche Leben in einer außergewöhnlich lebenswerten Stadt kaputtmachen lassen.