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Das Symbolbild zeigt eine Taxe auf dem Hof eines Autohändlers in Münster.
Ehemaliger Taxi-Unternehmer 44 000 Euro veruntreut? © dpa
09.12.2010

Ehemaliger Taxi-Unternehmer 44 000 Euro veruntreut?

PFORZHEIM/ENZKREIS. War es nur der hemdsärmlige Umgang eines ehemaligen Unternehmers, inzwischen insolvent gegangen, mit der Auszahlung von Lohn an seine damaligen Mitarbeiter? Ein Geschäftsgebaren, über das er im Gerichtssaal genervt sagt: „Wir können doch eine Lösung finden. Von mir aus zahl' ich 10 000 Euro, aber dann ist gut?“

Oder war es eine bewusst angelegte „schwarze Kasse“, in die der kurzzeitige Taxi-Unternehmer aus Pforzheim mit heutigem Familienwohnsitz im Enzkreis griff, um seine Angestellten und Fahrer zu bezahlen? Die Staatsanwaltschaft rechnet ihm vor, den Sozialversicherungsträgern rund 44 000 Euro vorenthalten zu haben. Von Januar 2008 bis Ende September 2009 soll Gerold F. (Name geändert), 60, in 21 Fällen 18 Mitarbeiter teilweise „schwarz“ bezahlt haben. Davon ist Staatsanwältin Sigrid Micol auch nach langen Stunden Zahlenabgleichs und wortreicher Relativierung seitens des Angeklagten am Ende des ersten Verhandlungstags vor Amtsrichter Fabian Krüger überzeugt. Länger als erwartet, zieht sich der Prozess, der am Donnerstag begann und darüber Aufschluss geben soll, ob den Behörden und dem Steuerberater zum Teil nur Minimalbeträge – 180 Euro im Monat gemeldet wurden und sich die Fahrer aus den Firmengeldbeutel bedienen durften.

Oder fuhren sie teilweise, um auf diese Weise eine Darlehen zu tilgen, das ihnen der Chef gewährt hatte? 15 von 22 Mitarbeitern sollen so an ihren Chef gebunden gewesen sein.

Gut, dass Gerold F. bei der dritten Eheschließung an eine vermögende Frau geraten war. Sie finanzierte ihm nicht nur einen 300 000-Euro-Start ins Leben als Selbstständiger, sie sorgt auch dafür, dass er trotz seiner kargen momentanen Einkünfte als „Mädchen für alles“ bei einem Klein-Unternehmer nicht darben muss und würde notfalls für eine Geldauflage aufkommen. Das erzählt er ganz offen. Mehr zu reden gibt es am 23. Dezember am zweiten Prozesstag. Vielleicht ist dann schon Bescherung.