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Die Gemeinde Niefern-Öschelbronn kommt nicht zur Ruhe. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist hier ein jüdischer Jungendlicher Opfer antisemitischer Angriffe geworden. Nun sind, laut Polizei, ein Haus und ein Auto bei den Wohnadressen von Tatverdächtigen mit Eiern beworfen worden.
Niefern © PZ-Archiv
05.03.2009

Eierwürfe gegen Auto und Haus als Reaktion auf Schüler-Hetze?

PFORZHEIM. Feuer, Fäkalien, fiese Sprüche – dann Demos, Betroffenheit, Krisengipfel, Pressekonferenz. Und jetzt das: Die Antisemitismus-Affäre um Elftklässler am Pforzheimer Kepler-Gymnasium hat eine neue Dimension bekommen.

Unbekannte warfen, wie die Polizei gestern bekannt gab, in der Nacht auf Samstag rohe Eier gegen die Frontscheibe eines in der Eutinger Gartenstadt geparkten Autos. Am Sonntag um 4 Uhr traf es eine Haustür und die Fassade eines Hauses an der Hauptstraße in Niefern. In beiden Fällen handelt es sich um Wohnadressen von Jugendlichen, gegen die die Polizei in der Antisemitismus-Affäre wegen Sachbeschädigung beziehungsweise Volksverhetzung ermittelt.

Damit bestätigt die Polizei Gerüchte, die auch Kepler-Schulleiter Siegfried Sonnenberg bereits zu Ohren gekommen sind. Den Satz: „Polizei und Staatsanwaltschaft bitten um Besonnenheit“ könnte der Rektor blind unterschreiben. „Ich will, dass die Schule wieder zur Ruhe kommt“, sagt Sonnenberg, der dabei ist, eine Begründung zu schreiben, mit der er den Rauswurf zweier Schüler rechtfertigen will, die im dringenden Verdacht stehen, am zweiten Weihnachtsfeiertag an die Wand eines Hauses in Niefern-Öschelbronn uriniert beziehungsweise einen Feuerwerkskörper abgefeuert zu haben. In dem Haus lebt ein jüdischer Mitschüler, der sagt, schon seit zwei Jahren das Opfer antisemitischer Anfeindungen zu sein. Zwei Monate ermittelte die Polizei und filterte drei Haupttatverdächtige heraus.

Einer von ihnen, dem Volksverhetzung vorgeworfen wird und der Kontakt zum rechtsextremistischen „Heidnischen Sturm Pforzheim“ gehabt haben soll, hat das Kepler-Gymnasium auf Anraten von Rektor Sonnenberg freiwillig verlassen. Über den Verbleib von zwei weiteren Tatverdächtigen wird am kommenden Dienstag die Schulkonferenz entscheiden. Aber selbst wenn die Schule zu dem Ergebnis kommt, dass man sie nicht mehr haben will, drohen deren Rechtsanwälte mit dem Gang vors Gericht. Sonnenberg ist ständig dabei, auszuloten: Ist juristisch alles wasserdicht?