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Das Duo „Lugatti & 9ine“ sorgte für Stimmung vor der Bühne.  Foto: Lutz 

Ein Festival für alle Generationen: So war es bei „Easy am Hang“

Pforzheim. Während sich die Kleinen mit der Spraydose unter fachkundiger Anleitung in der Graffitikunst üben, stöbern sich die Eltern und älteren Geschwister durch die Auslage am Kleidertauschstand direkt vor dem Teezelt. Einige Meter weiter erklärt der Verein „blackforestwave“, was es eigentlich mit ihrer Welle im Metzelgraben auf sich hat und auf der Bühne bereiten sich die ersten Musiker beim Soundcheck auf ihren Auftritt vor – es ist ein buntes, ein familiäres Treiben am Samstagmittag auf dem Hoheneck-Sportplatz.

Das „Easy am Hang“, eines der wenigen verbliebenen „umsonst und draußen“-Festivals in der Region, hat geladen – und die Besucher lassen sich nicht lange bitten.

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Kostenlose Angebote für Jung und Alt: Naima und Liya üben sich mit Papa Samet Köklü an den Spraydosen. Foto: Lutz

Bereits am Freitagabend zählten die Organisatoren von Kupferdächle und dem Verein Kunst und Kultur am Wasserturm (Kukuwatu) rund 1000 Gäste, davon viele aus Pforzheim und dem Enzkreis, aber auch aus Karlsruhe und Mühlacker. Am Samstag sollen es noch einmal so viele werden. „Wir sind sehr zufrieden, es ist noch ein bisschen besser, als im vergangenen Jahr“, sagt Henry Rogner von Kukuwatu. Auch wenn das „Easy am Hang“ ein echter Kraftakt für die Veranstalter bedeutet, der ohne das ehrenamtliche Engagement der rund 90 freiwilligen Helfer nicht machbar wäre. „Mehrere Zehntausend Euro“, so Jenny Spaunhorst, Leiterin des Kupferdächle, koste das Festival. „Ohne Sponsoren, Spender und die ehrenamtlichen Unterstützer würde das alles nicht funktionieren“, betont Spaunhorst.

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Rapper „Chefket“ macht am Samstagabend den Abschluss. Foto: Lutz

Altbewährtes und Neuheiten

Viele der Helfer sind seit Jahren dabei, darunter auch die Kinder derer, die das Festival vor knapp 20 Jahren ins Leben gerufen haben. Sie sind mit dem „Easy am Hang“ aufgewachsen und haben jetzt – natürlich mit der Unterstützung der alten Hasen – das Zepter übernommen. Bereits zum sechsten Mal dabei ist auch Letizia Vella, die am Festivalwochenende an der Cocktailbar für Erfrischungen sorgt. „Das ist inzwischen Tradition. Ich bin über Freunde unserer Eltern dazugekommen und helfe seitdem mit“, sagt die 23-Jährige. Ihre Motivation: „Es macht einfach Spaß und wir alle freuen uns, wenn die Besucher sich freuen.“

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Und das tun sie. Besonders den Eltern, die am Nachmittag mit ihrem Nachwuchs unterwegs sind, gefällt das Konzept. „Es ist außergewöhnlich, dass so viel für Kinder angeboten wird“, berichtet Anna Köklü, die ihren Mann Samet und die gemeinsamen Töchter Naima und Liya bei deren ersten Versuchen mit der Spraydose beobachtet. Über Freunde seien sie auf das „Easy am Hang“ aufmerksam geworden und kämen seit- dem seit einigen Jahren immer wieder im September auf den Hoheneck-Sportplatz. Dabei lassen sich die Veranstalter auch immer wieder Neues einfallen. In diesem Jahr ist das der Kleidertausch, den Malvin Nicotra von Kukuwatu organisiert hat. „Auf größeren Festivals habe ich das schon öfter gesehen. Ich mag Second-Hand-Shops und jeder hat etwas, dass er nicht mehr braucht, im Schrank liegen“, erklärt Nicotra. Hier hätten die abgelegten Stücke die Chance, neue Liebhaber zu finden. Und nachhaltig sei es noch dazu.

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Tausende Besucher feiern bei "Easy am Hang" in Pforzheim

Mit zunehmender Dunkelheit zieht dann auch immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene auf das Gelände. Nachdem am Freitag Musik der rockigeren Gangart dominierte, steht an diesem Samstag überwiegend Hip-Hop auf dem Programm. Spätestens beim Auftritt des Kölner Rapper-Duos „Lugatti & 9ine“ gehen die Arme nach oben, viele der Besucher zeigen sich zudem textsicher. Der emotionale Höhepunkt des Abends ist jedoch Headliner „Chefket“. Der Heidenheimer holt nicht nur eine der zahlreichen Zuschauerinnen zum Tanzen auf die Bühne, sondern hat neben einigen Song-Premieren gemeinsam mit Sängerin May auch eine ganze Menge Liebe für das Pforzheimer Publikum im Gepäck. „Ihr seid das beste Publikum bisher“, attestiert er den Festival-Besuchern, die bei den Nummern, sei es verslastiger Rap, gefühlvoller Soul – oder aber eine Mischung – voll mitgehen. Nach der Zugabe verlässt der Rapper freudestrahlend die Bühne, genau wie die Besucher nach dem ein oder anderen Getränk zum Abschluss das „Easy am Hang“, das, so munkelt man, nächstes Jahr seinen 20. Geburtstag feiern soll.

Jeanne Lutz

Jeanne Lutz

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