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Die PZ gehört für Jubilar Walter Erich Müller zu jedem Tag dazu.  Foto: Privat 

Ein Jahrhundert voll Liebe zum Leben: Pforzheimer Walter Erich Müller wird 100

Pforzheim. Walter Erich Müller ist seit 1948 ein begeisterter PZ-Leser. Die tägliche Zeitung möchte der Jubilar, der am Freitag seinen 100. Geburtstag feiert, auch künftig nicht missen. Denn der Mann, der am 16. Oktober 1920 in Pforzheim geboren wurde, ist geistig rege und fit. Gerne vertieft er sich auch in einen Roman von Ken Follett oder lässt sich am Klavier von seinem Enkel Matthias begleiten und singt voller Inbrunst in Frank Sinatras Manier „My Way“.

Nur bedauert der 100-Jährige, dass er den Kirchgang in die Auferstehungskirche altersbedingt nicht mehr schafft, den er sehr vermisst. Doch wenn es um Zahlen und Ereignisse geht, dann muss der einstige Prokurist der früheren Schmuckfirma Karl Vallon, für die er in der Schweiz, Österreich und in Deutschland viel unterwegs war, nicht lange nachdenken. In das Pforzheimer Unternehmen kam Müller damals über seinen Schwager Albert Vallon, zuvor machte der ab Freitag 100-Jährige eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma Alfred Starck.

Trauung in alter Stadtkirche

Dass Müller einmal das Jahrhundert voll machen würde, daran hat der rüstige Mann – auch wenn ihm seine Beine manchmal ein Schnippchen schlagen – nicht geglaubt. Denn sein Bruder Fritz starb krankheitsbedingt bereits mit 38 Jahren und seine Schwester Elfriede wurde auch nur 37 Jahre alt. Während des Zweiten Weltkriegs lernte er als Soldat seine spätere Frau Alice in München kennen, die 2012 mit 88 Jahren verstarb. Das Paar heiratete 1944 in Pforzheim. „Es war die letzte Hochzeit in der alten Stadtkirche“, erinnert sich Müller, der 1948 aus französischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte. 1952 wurde Tochter Ingrid geboren. Ihr Bruder Rainer verstarb als Baby an einer Lungenentzündung während des Kriegs. „Er ist der beste Vater, Opa und Uropa. Er gibt nur Liebe“, sagt seine Tochter, die ihren Vater auch als eingefleischten Bayern-Fan kennt. Von Bayern München versäumt Müller, der früher selbst Fußball bei den „Alten Herren“ (AH) des Sportvereins Germania Union Pforzheim gespielt hat, nämlich kein Spiel. Auch lebt der rüstige Senior bis heute in der Goldstadt im Eigenheim, wo seine Tochter, die ganz in der Nähe wohnt, mehrmals täglich vorbeischaut. Gefeiert wird der 100. Geburtstag im Kreis der Familie. Wenn es die Pandemie zulässt, dann geht es zum Abendessen zur Geburtstagsfeier ins Restaurant.

Die Stadt hat aufgrund der Corona-Pandemie die Geburtstagsbesuche bei den Jubilaren bis auf Weiteres eingestellt.