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Schnelle Auffassungsgabe, Improvisationstalent, Geschick und Erfahrung waren von Feuerwehrleuten am Montag beim Baustellenunfall an der A8 gefragt. Foto: Meyer
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Brennen für ihren nicht nur technisch reizvollen Job: der stellvertretende Kommandant Guido Lobermann (rechts) und der junge Feuerwehrmann Johannes Müller. Foto: Meyer

Ein Job für alle Fälle: Die Faszination des Feuerwehrberufs

Pforzheim. Erst der äußerst komplizierte Einsatz an der A8-Baustelle bei Eutingen, als ein eingeklemmter und lebensgefährlich verletzter Arbeiter gerettet werden musste, dann das Unwetter mit einer Flut von vollgelaufenen Kellern und überspülten Straßen: Schlag auf Schlag hat der Montag dieser Woche die Wichtigkeit einer schlagkräftigen Feuerwehr vor Augen geführt.

„Jeder Tag ist anders“, sagt Johannes Müller (23), „man muss viel improvisieren und gut zusammenarbeiten, um rasch die perfekte Lösung zu finden.“ Müller ist einer der jungen Feuerwehrleute, die am Samstag, 15. Juni, bei einem erstmals von Pforzheims Berufsfeuerwehr initiierten Bewerbertag Interessenten Rede und Antwort steht. Die Wehr braucht solch gute junge Leute, doch die Konkurrenzsituation mit Betrieben in Handwerk und Industrie, aber auch mit Werksfeuerwehren ist härter denn je.

Der Tiefbau-Einsatz vom Montag steht exemplarisch für das Aufgabenfeld und das Berufsbild des Feuerwehrmanns beziehungsweise der Feuerwehrfrau. In einer fünf Meter tiefen Grube war der Arbeiter zwischen ein Rohr und eine Verschalung geraten. „Wo kann ich hingehen, ohne dass es zum Abrutschen kommt? Wie kann ich durch Entlasten der Bauteile eine Rettung ermöglichen?“, beschreibt der stellvertretende Feuerwehrkommandant Guido Lobermann die Herausforderung. Auch wenn jeder seiner Kollegen über eine handwerkliche oder technische Ausbildung verfügt: „Das hat keiner gelernt.“ Und: Man benutze bei solchen Einsätzen Geräte und Werkzeuge, „die eigentlich für etwas anderes gedacht sind“. Wichtig seien schnelle Auffassungsgabe, Erfahrung und das enge Miteinander. „Die Kollegen waren alle fertig“, beschreibt Lobermann die interne Lage nach der erfolgreichen Rettung: „Aber jeder ist mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen, weil jeder 100 Prozent seiner persönlichen Einsatzfähigkeit gegeben hat und wir technisch alles herausgeholt haben.“

Eben solche Faktoren wollen die Verantwortlichen beim Ringen um Personal in die Waagschale werfen, wie der stellvertretende Wachabteilungsführer Timo Maier unterstreicht. Eine Pensionierungswelle rolle aktuell über die Berufsfeuerwehren, der Einstellungsbedarf sei hoch. In nächster Zeit benötige Pforzheims Berufswehr mit knapp 100 hauptamtlichen Kräften jährlich rund sechs neue Leute. Zwar gebe es jedes Jahr fast 100 Bewerber, doch es werde zunehmend schwierig, gute Leute herauszufiltern, die „körperlich fit sind und auch noch was im Kopf haben“, wie Lobermann bekräftigt. Also die „mitdenken, kreativ sind, ihr Handwerk verstehen, vor Ort schnell etwas erfinden – und auch noch bereit sind, eine neue Ausbildung anzugehen“. Und dies im Wettbewerb mit der freien Wirtschaft, wo versucht werde, „übers Geld zu punkten“. Bislang habe man nur jene Bewerber näher in Betracht gezogen, die neben einem Schulabschluss auch eine klassische Ausbildung vorweisen konnten – im Handwerk, in der Industrie oder im Rettungsdienst. Dadurch seien aber ja vielleicht Interessenten durchs Raster gefallen, die etwa Bank- oder Versicherungskaufmann gelernt haben, aber über ein Hobby oder Erfahrungen im elterlichen Betrieb durchaus Potenzial hätten. Eben solche verborgenen Qualifikationen sollen bei dem ersten Bewerbertag zutage gefördert werden.

Der interne Bewerbertag am Samstag, 15. Juni, in der Hauptwache startet um 10 Uhr mit der Begrüßung durch Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer und dauert bis 16 Uhr. Interessenten können in diesem Zeitraum unverbindlich vorbeischauen, Vertraulichkeit wird zugesichert. Sie sollten einen Lebenslauf dabei haben und sich zuvor, ebenfalls vertraulich, per E-Mail an fw@pforzheim.de anmelden.

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