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Roger Rosendahl.  Foto: Seibel/Archiv 

Ein Lokalreporter mit Herz und auf Augenhöhe: Trauer um Roger Rosendahl

Pforzheim. Er war einer von denen mit großem Herz – und bei Bedarf mit Mut zur Meinung. Der damals noch volldominanten Pforzheimer CDU schrieb er, als die Christenunion ihre sozial engagierte Herzkönigin Hella Marquardt aufs Abstellgleis schob, ins Stammbuch: „Jesus würde Hella Marquardt wählen.“ Das saß. Und treffend konnte Rosendahl, Sohn einer Friseurin und Hebel-Abiturient, im Lauf seiner über 30 Jahre bei der PZ vor allem die Perspektive der Normalen einnehmen: des übervorteilten Mieters, des geprellten Handwerkers, des im Umgang mit tauben Obrigkeiten ohnmächtigen Bürgers.

Dabei war der Vater zweier Kinder und zweifache Opa aus der Nordstadt kein moralinsaurer Typ, im Gegenteil – der überzeugte und weltweit aktive Freizeitparkbesucher konnte ein herrlicher Kindskopf sein, bis hin zu Interviews mit Osterhase, Nikolaus und Weihnachtsgans, die natürlich erfunden und dennoch von einer geradezu außerirdischen Wahrhaftigkeit waren. Neugier paarte sich bei ihm mit der Bereitschaft, selbst zunächst Unwahrscheinliches nicht sofort abzutun. Viele kannten den freundlichen Vollbartträger mit dem dunklen Teint und den bunten Hemden, wenn er mit dem Fahrrad in der Stadt zu Mess, OechsleFest, Passantenbefragungen unterwegs war. Sein großes Herz hatte aber auch Nachteile: Manches erreichte ihn tief, so konnte er seinen Beruf gesundheitsbedingt nur bis knapp 60 ausüben. Danach hatte Rosendahl einige schöne Jahre mit der Familie, nun ist er viel zu jung im Alter von nicht ganz 66 Jahren gestorben, am Montag ist die Beerdigung. Vieles wird noch lange an ihn erinnern.

Marek Klimanski

Marek Klimanski

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