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Das Labyrinth als Zeichen des unergründlichen Lebenswegs: Seelsorgerin Regina Mandel und Pfarrerin Dagmar Metzger-Fallscheer (von links) solidarisieren sich durch einen Gottesdienst mit Eltern verstorbener Kinder.  Foto: Meyer 

Ein Ort für die Trauer um den eigenen Nachwuchs

Pforzheim. Am Weltgedenktag für verstorbene Kinder können Betroffene in einem Gottesdienst zusammenkommen.

Kurz nach der Geburt ihres dritten Kindes bekommt die 37-Jährige Dagmar (Name geändert) eine Krebsdiagnose. Sie stirbt bald darauf an dem aggressiven Tumor. Zurück bleiben die drei kleinen Kinder, ihr Mann und ihre Eltern. Mutter und Vater der Verstorbenen übernehmen die Erziehung und Betreuung des Nachwuchses. Denn der Witwer muss Geld verdienen. Es bleibt für alle Betroffenen kaum Zeit, um zu trauern. Konkrete Hilfe holen sie sich nicht. In einer Situation, in der die junge Familie eigentlich nach vorne schauen wollte, muss sie sich neu orientieren. Als dann eine neue Frau ins Leben des Witwers tritt und die Kindererziehung übernimmt, schmerzt das die Eltern der Verstorbenen erneut. Regine Mandel, Seelsorgerin am Siloah, und Pfarrerin Dagmar Metzger-Fallscheer haben täglich mit trauernden Eltern in allen Lebenssituationen zu tun. Ob ein Kleinkind zu Tode komme oder ein Erwachsener: Sie alle haben Eltern. Überaschende Todesfälle bei Menschen im Alter von 40 bis Ende 50 gab es in den vergangenen Monaten ungewöhnlich viele, sagt Mandel, wenn sie ihren Klinikalltag betrachtet.

Oft seien die Eltern auf diesem schweren Weg dabeigewesen. Und bei Krebsdiagnosen hat Mandel die Familie manchmal über Jahre begleitet. Für die Eltern bieten beide Seelsorgerinnen einen Gottesdienst am Sonntag, 9. Dezember (ab 18 Uhr) in der Kapelle im Siloah St. Trudpert Klinikum für verstorbene Kinder am Weltgedenktag an.

Noch nach vielen Jahren könne dieses Angebot für die Betroffenen ein würdiger Rahmen sein für unterdrückte Gefühle und für ein Innehalten. Mandel kennt den gesellschaftlichen Druck, der auf den Hinterbliebenen lastet. Und die möglichen Schuldgefühle einer Mutter, ihr Kind vor der Zeit verloren zu haben.

Es komme bei der Trauer nicht darauf an, einen geliebten Menschen gehen zu lassen, ergänzt die evangelische Pfarrerin Metzger-Fallscheer. Sondern ihn auf einer anderen Ebene mitzunehmen auf dem Lebensweg. Das sehe bei jedem anders aus. Verstorbene Kinder hätten in den Familien einen festen Platz, der auch Geschwistern wichtig sei, die sie vielleicht nie kennengelernt hätten.

Martina Schaefer

Martina Schaefer

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