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Stephanie und Holger Isensee, Inhaber der Pregizer Apotheke, haben klare Vorstellungen, wenn es um die Innenstadt geht. Das machen sie auch im Gespräch mit PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer (links) deutlich. Foto: Meyer
Stephanie und Holger Isensee, Inhaber der Pregizer Apotheke, haben klare Vorstellungen, wenn es um die Innenstadt geht. Das machen sie auch im Gespräch mit PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer (links) deutlich. Foto: Meyer
12.07.2019

Ein Plädoyer für die Öffnung der Pforzheimer Fußgängerzone für Autos

Pforzheim. Das Pforzheimer Apotheker-Ehepaar Isensee fordert eine bessere Erreichbarkeit der Innenstadt mit Autos. Nicht nur alte Menschen würden einen besseren Zugang zur Innenstadt brauchen.

Umfrage

Soll die Pforzheimer Fußgängerzone wieder für Autos geöffnet werden?

Die Kunden sind zufrieden. Sie haben der Pregizer Apotheke von Stephanie und Holger Isensee beim 6. Pforzheimer Kundenspiegel Bestnoten gegeben und sie zum Branchensieger gekürt. Darauf könnten sich die beiden ausruhen. Tun sie aber nicht. Sie möchten noch mehr tun und noch kundenfreundlicher werden. Dafür sehen die beiden aber in erster Linie auch die Stadtverwaltung in der Pflicht.

„Die Stadt sollte alles tun, um Geschäfte zu unterstützen, die die Frequenz der Innenstadt steigern und dadurch für Belebung sorgen. Und ich rede jetzt nicht von Döner-Läden, Nagel- und Tattoo-Studios“, sagt Stephanie Isensee. Als Frequenzbringer sieht sie vielmehr Arztpraxen und Apotheken. „Viele Patienten kommen einmal im Quartal zu Kontrollterminen“, erklärt sie. In diesem Zuge würden sie auch Einkäufe in der Innenstadt erledigen. Mit Besorgnis nehmen Stephanie und Holger Isensee deshalb wahr, dass in der City immer mehr Arztpraxen schließen. Auch weil sie keine Nachfolger finden. Die Innenstadt sei für Ärzte unattraktiv geworden.

„Sie benötigen eine verkehrsgünstige Lage und Haltemöglichkeiten für Krankentransporte direkt vor der Praxis. Dies ist ganz besonders wichtig für Allgemeinarztpraxen sowie für Kinderarztpraxen, weil die Patienten wenig mobil sind“, sagt Holger Isensee und nennt das Ärztehaus an der Baumstraße – das Bindeglied zwischen Zerrennerstraße und Leopoldplatz – als Beispiel. „Wenn man Kranke unten an der Zerrennerstraße aussteigen lässt, ist die Steigung zu beschwerlich“, sagt er. Von der Stadtverwaltung erwarten die beiden deshalb, dass die Möglichkeit zum Anfahren und kurzzeitigen Halten vor der Haustür geschaffen wird – und zwar ohne dass es dafür einen Strafzettel gibt. Auch für Apotheken und andere Einzelhändler sei das wichtig. „Ein Blumenstrauß oder einen Blumentopf, den man lediglich abholen möchte, will man nicht durch die halbe Stadt transportieren. Das Buch, das nur umständlich abgeholt werden kann, wird einfach im Internet bestellt und nach Hause geliefert“, sagt Stephanie Isensee.

Bei Apotheken müsse zudem die regelmäßige Anlieferung – mehrmals am Tag – gewährleistet sein. Doch die Stadtverwaltung sei dafür taub. „Unsere Erfahrung: Die Stadt kümmert sich in keiner Weise um unsere Belange“, so die Isensees. Im Gegenteil: Wenn man Bedürfnisse äußere, erhalte man abweisende Antworten. Ein Beispiel: „Veränderungen sind hier nicht geplant. Auch die Platzierung eines Stellplatzes für Krankentransporte ist leider nicht möglich“, hätten sie als Antwort auf ihre Anliegen in der Baumstraße erhalten. „Die Umgestaltung ist noch recht neu und wird sehr positiv angenommen“, habe die Stadtverwaltung weiter geschrieben.

„Viele Hundert Kunden pro Tag sagen uns andauernd das Gegenteil“, hält Stephanie Isensee dagegen. Die erfolgreichsten Einkaufstraßen seien keine Fußgängerzonen, betonen sie und ihr Mann. Ohnehin sind die beiden überzeugt: „Die Innenstadt wurde mit der Verkehrsberuhigung kaputt gemacht.“ Als Beispiele nennen sie die Bahnhofstraße und die Leopoldstraße. „Sie weisen eine so hohe Geländesteigung auf, dass sie nicht angenommen werden.“ Mit Blick auf die Schließung des Schloßbergs in Nord-Süd-Achse fordern sie deshalb die Öffnung dieser beiden Straßen als Ersatz in Betracht zu ziehen – und dort im besten Fall auch Kurzzeitparkplätze einzurichten.

Dafür wollen sich die Isensees weiter bei der Stadtverwaltung einsetzten – für die Zufriedenheit ihrer Kunden.

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