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16.11.2008

Ein Plädoyer für elektronische Musik

Es gab Freitage in Pforzheim, da war es ruhig in der Innenstadt. Zu ruhig. Die Räder des Nachtlebens liefen im Leerlauf. Vollkommen tote Hosen. Flaute in den Bars, die Straßen leer gefegt, die Tanzflächen ebenso. Absolut untypisch für eine Hochschul-Großstadt, soll sich doch dort das Leben am Tag und auch in der Nacht ballen. Insofern kam Pforzheim seiner Funktion als lebende Großstadt freitags nicht immer nach.

Am vergangen Freitag dafür umso mehr. Die PZ-Party „StilBruch: Gold and the City“ schafft Abhilfe, sorgt für goldene Momente in der Innenstadt. Zehn blendend aufgelegte DJs euphorisieren die versammelte Jugend aus Pforzheim und seiner Region in den Schmuckwelten.

Ende der Stille – den Großstädter an sich freut das. Dennoch klagt der eine oder andere über die lebendige Lautstärke, als die Party am heftigsten brodelt.

Verantwortlich für die Hochstimmung sind allen voran die „Tune Brothers“. Das DJ-Set des international renommierten DJ-Duos aus Stuttgart ist großartig – ein Plädoyer für elektronische Musik: beseelt von Bässen, getragen von melodiösen Passagen, getrieben von pumpenden Rhythmen.

Das Vorspiel dazu, inszeniert vom Schweizer „Sven the Freak“ und von PZ-DJ Phil Page, ist technisch virtuos arrangiert, liebevoll-detailversessen zusammengestellt; es besticht durch Innovativität. Es ist Electro-Vocal-House vom Allerfeinsten. Die Musikauswahl lädt ein – nein, sie zwingt zum Steilgehen. Übrigens: „Steilgehen“ ist der jugendliche Begriff für ein großstädtisches Phänomen, das einem auf besonders wilden Partys mit elektronischer Musik manchmal begegnet: Menschen tanzen so ausgelassen, dass ihnen die Füße brennen – die Frauen unter ihnen ziehen dann die Schuhe aus, setzen den Ausdruckstanz barfuß fort.

Es gibt allerdings noch weitere musikalische Attraktionen neben jenen, die die Designwelten in eine Tanzarena verwandeln: Auf der Showbühne der
Schmuckwelten spielen Alexander Hagmann & Michael Müller einwandfreien Funk und Soul, zu denen leckere Cocktails und Longdrinks der Szenebar „RosenRot“ noch ein bisschen besser schmecken – und: die Füße der Gäste bewegen sich auch ganz flüssig zu diesem kosmopolitischem Sound.

Etwas später wird es etwas progressiver: der Pforzheimer Musikartist Giuliano erschafft organische Techno-Welten im Gehörgang , wenn er treibende Takte mit ausdrucksstarken Klangfarben – mal heiter, mal düster – paart; wer ihm zu lange lauscht, wird ausweglos mitgerissen vom Rhyhmus, droht verloren zu gehen in fernen technoiden Spähren. Die aufstrebenden Illinger Talente Lochmahr & Malucha setzen an, wo Giuliano aufgehört hat: bei minimalistischer Musik mit maximalem künsterlischen Anspruch.

Ein Großteil der mehr als 1000 „StilBruch“-Besucher ist sich einig: „StilBruch“ ist die schmuckste Party der Stadt, die schmuckste Party des Jahres 2008. Und das liegt wohl vor allem an hervorragender Jetzt-Musik, die durch die Gänge der Schmuckwelten dröhnt. Stille hat an diesem Freitag keine Chance. Nicht bei StilBruch, wenn Pforzheim nachts lebt und bebt.