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Der Pforzheimer SPD-Stadtrat und scheidender Direktor des Regionalverbands Nordschwarzwald, Jens Kück (links), hat dem Archäologischen Schauplatz Kappelhof, vertreten durch Kulturbürgermeister Gert Hager, einen rund 1700 Jahre alten Schädel eines Römers geschenkt.
Römerschädel von Jens Kück © Seibel
19.03.2008

Ein Schädel, der zu Hause unerwünscht ist

Wer schon mal seinen Arbeitsplatz ausgeräumt hat, weil er eine neue Stelle antritt oder – wie im Falle von Jens Kück – in den Ruhestand eintritt, der weiß, was sich in all den Jahren so alles angesammelt hat. Doch mit einem Schädel, und dann noch einem aus der Römerzeit, kann wohl nur der scheidende Direktor des Regionalverbands Nordschwarzwald aufwarten. 

Am Mittwoch hat der Hobby-Archäologe das gute, über 1700 Jahre alte Stück im Archäologischen Schauplatz Kappelhof an Bürgermeister Gert Hager übergeben. Fortan soll es dort in einer Vitrine ausgestellt sein. Denn Kücks Frau Geerten will das menschliche Relikt mit seinen acht Zähnen partout nicht zu Hause aufbewahrt wissen.

Der SPD-Stadtrat und die frühere stellvertretende Leiterin des Stadtplanungsamts graben seit ihrem Studium immer wieder als ehrenamtliche Helfer an geschichtsträchtigen Plätzen im In- und Ausland. Den Schädel aus der Römerzeit hat Kück jedoch nicht selbst ausgebuddelt. Der lag in einem zerschlissenen Schuhkarton auf dem Speicher eines Bekannten. Als der vor 20 Jahren den Nachlass seines Vaters sichtete, war er darauf gestoßen und übergab Kück das Fundstück, dem ein Zettel mit dem Vermerk „Ortenau“ beilag.

Zwei Siedlungen in Südbaden

Dort hatte der Verstorbene, der ebenfalls ein begeisterter Altertumsforscher war, in den 30er-Jahren an einer Grabung teilgenommen, bei der Skelettreste eines Menschen und Tonscherben gefunden wurden. Dadurch war die Datierung relativ einfach gewesen. Bekannt sind römische Ansiedlungen in Breisach und Riegel. Kück unterrichtete damals das Landesdenkmalamt von dem Schädel und durfte ihn behalten.

„War es ein Soldat oder ein einfacher Bauer? Wir wissen es nicht“, bemerkte Bürgermeister Hager. Da die Römerstraße von Straßburg nach Cannstatt durch Baden führte: Warum sollte jener Römer nicht durch Portus gekommen sein und sich hier an der Enz im Bereich des Kappelhofs aufgehalten haben?

Hager erinnerte auch daran, dass Kück als Stadtrat zu jenen gehört habe, die sich vor dem Bau des Schwerstbehindertenwohnheims stark gemacht hatten, hier Grabungen vorzunehmen. So kann heute Pforzheims Geschichte von der Römerzeit bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts dokumentiert werden.

Zu den Ausstellungsstücken zählt auch das Teil einer Jupitergigantensäule, die aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert stammt. Auf dem Gelände des Krankenhauses, auf dem früher immer mal wieder Römerfunde ans Tageslicht traten, fanden Anfang 1985 Baggerarbeiten für einen Erweiterungsbau statt. Kück befand sich zufällig auf dem Gelände. Da sei ein komischer, rötlicher Stein entdeckt worden, wurde er unterrichtet. Er sah dem Fund natürlich sofort an, um was es sich handelte und nahm ihn mit, statt ihn im Bauwagen zu lagern. Zum Glück. Denn der wurde am anderen Morgen aufgebrochen vorgefunden.

Wenn der Verbandsdirektor a.D. bald Privatmann ist, wird auch ohne den Schädel eines Römers manches bei ihm an den früheren Arbeitsplatz erinnern: Neben einigen antiken Scherben wird der Hobby-Archäologe ein versteinertes Stück Holz mit nach Hause nehmen. Und was ist schon das rund 1700 Jahre alte Teil von einem Skelett im Vergleich zu einem Fossil, das vor zig-Millionen Jahren entstanden ist?