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Chris Gerbing kennt die Pforzheimer Stadtbibliothek und ihre Geschichte bestens. Darüber hat sie gestern einen Vortrag gehalten.
Chris Gerbing kennt die Pforzheimer Stadtbibliothek und ihre Geschichte bestens. Darüber hat sie gestern einen Vortrag gehalten.
06.06.2018

Ein Schatzkästchen öffnet sich: Zur Geschichte der Stadtbibliothek

Pforzheim. Bundesliga-Fußballspiele sind bei dem Vortrag von Chris Gerbig am Mittwochabend in der Stadtbibliothek nicht gut weggekommen.

„Es gibt mehr als 10.000 Bibliotheken in Deutschland, aus deren Beständen über 470 Millionen Medien jährlich entliehen werden. Über 210 Millionen Besucher wurden 2012 in den Bibliotheken registriert, davon mehr als die Hälfte in den etwa 8000 öffentlichen Bibliotheken Deutschlands. Im Vergleich zu den Zuschauern bei Bundesliga-Fußballspielen können sich diese Zahlen sehen lassen, denn diese liegen bei unter 18 Millionen“, sagte sie bei der Feier zum 125-jährigen Bestehen der Stadtbibliothek in Pforzheim.

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Zuvor hatte sie den geschichtlichen Wandel der Einrichtung beschrieben. Angefangen bei der Lesegesellschaft, die 1784 gegründet wurde, über den ersten Standort der „Volksbibliothek“ in der Großen Gerberstraße 40, den Umzug ins Bohnenberger Schlössle, die Zerstörung beim Bombenangriff vom 23. Februar 1945, die Zwischenlösung in der Osterfeldschule, die Einrichtung der Bücherei im Reuchlinhaus und schließlich die Eröffnung der Zentralbibliothek 2002. „Zwar haben sich Bibliotheksbauten in ihrer Ausrichtung verändert, zwar sind manchen ihre Benutzer abhandengekommen, doch ihr Programm ,Wissen für alle‘ macht sie auch in Zeiten von Digitalisierung und von globalen Datenflüssen, von online zugänglichen Informationen und der Abrufbarkeit ganzer Bücher attraktiv“, sagte Gerbig. Dennoch transportiere gerade die Pforzheimer Stadtbibliothek etwas vom „altehrwürdigen Flair, von der andächtigen, konzentrierten Stille“, die man mit Büchereien früherer Zeiten verbinde.

Bereits am Dienstagabend hatte Gerbig ihren Vortrag vor rund 40 geladenen Gästen gehalten. In diesem Rahmen sprachen Sybille Christ vom Regierungspräsidium Karlsruhe, der Erste Bürgermeister Dirk Büscher und Bibliotheksleiterin Anja Bendl-Kunzmann Grußworte. Darin bescheinigte Christ der Pforzheimer Stadtbibliothek, im Regierungsbezirk Karlsruhe „zu den am besten aufgestellten öffentlichen Bibliotheken“ zu zählen: „Die zuverlässig positiven Zahlen sind Ergebnis einer Kommunalpolitik, die konstant eine vorbildliche Ausstattung ermöglicht hat.“ Büscher lobte die Arbeit von Bendl-Kunzmann und ihren Mitarbeitern. Die Bibliothek sei in Baden-Württemberg und deutschlandweit ein „Aushängeschild der Stadt“. Bendl-Kunzmann sorgte bei ihrem Grußwort für einige Lacher. „1949 durften die Kinder nur ein Buch gleichzeitig ausleihen, ‚um der gefährlichen Vielleserei vorzubeugen‘“, erklärte sie. Heute biete die Bibliothek dagegen bunte Leserförderung und crossmediale Veranstaltungen. 1960 hätten die Kinder sich vor dem Besuch der Bücherei die Hände gewaschen. „Heute überlegen wir manchmal, ob das damals vielleicht nicht eine gute Idee war“, scherzte sie.

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