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Fingerzeig: Der Schauspieler Alexej Boris führt den Schülern der Alfons-Kern-Schule die Gefahren vor Augen, wenn man spielsüchtig wird.
Fingerzeig: Der Schauspieler Alexej Boris führt den Schülern der Alfons-Kern-Schule die Gefahren vor Augen, wenn man spielsüchtig wird.
30.09.2015

Ein-Mann-Theater klärt an der Alfons-Kern-Schule über Spielsucht auf

Der Mann im braunen Hemd und dem kahlgeschorenen Kopf hängt Spielkarten an ein grünes Filzbrett. „Wer spielt mit Blackjack, wer traut sich was“, fragt er, der in diesem Moment „Claudia“ ist. „Claudia“, die risikofreudige Chefin, die jeden Freitag ins Spielcasino geht und Betriebsfeiern in eine Spielhalle verwandelt. Auch jetzt gibt sie Jetons aus und fordert die jungen Leute vor ihr auf, etwas zu wagen.

„Claudia“ ist im wirklichen Leben der Schauspieler Alexej Boris. Und seine Mitspieler sind Schüler der Alfons-Kern-Schule. Insgesamt 124 junge Männer und Frauen aus sechs Klassen der Dualen Ausbildungsvorbereitung bekommen an diesem Tag eine ganz besondere Schulstunde. „Zocker“ heißt das Stück, das die jungen Leute sensibel machen soll für die Gefahren des Glückspiels. Immer auf Augenhöhe mit den Schülern, in lockerer, flapsiger Sprache stellt Boris in der Rolle von drei verschiedenen Charakteren vier Stufen der Entwicklung zur Abhängigkeit dar: Genuss, Gewohnheit, Missbrauch, Abhängigkeit.

Und er bezieht die Schüler mit ein. Lässt sie die lockenden Geräusche des Spielautomaten nachahmen, fordert sie beim Glücksspiel heraus und erzählt Geschichten. Etwa die von „Charlie“, der anderen Spielern Automaten abkauft, „weil es heute so gut läuft“. Und der von den gewonnenen 8500 Euro 3000 Euro auf sein Konto legt. Das Problem ist nur: Es wird nicht reichen, er hat in dem Jahr schon 80 000 Euro verloren.

„Wir haben an unserer Schule beobachtet, dass das Problem des Glückspiels zunimmt und wollen durch diese Präventionsveranstaltung verdeutlichen, welche Gefahren drohen“, sagt Jutta Schamel, Abteilungsleiterin für berufliche Qualifikation. Sie berichtet beispielsweise von einer Schülerin. Das Mädchen bat darum, ihr 15 Euro zu leihen, weil sie die gerade beim Spielen verloren hatte. Es gebe immer mehr junge Leute an der Schule, die am PC, am Handy und in Spielhallen zockten.

Tatsächlich melden sich Schüler, als Alexej Boris nach Erfahrungen mit Glückspiel fragt: Einer geht jeden Samstag spielen, der nächste hat trotz Verlusten alles im Griff, wieder ein anderer hat schon mal 300 Euro gewonnen.

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