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Dialogberauftragter Andrew Hilkowitz erklärt in der Synagoge den Zuhörern die Besonderheit des jüdischen Glaubens. Foto: Bechtle
Dialogberauftragter Andrew Hilkowitz erklärt in der Synagoge den Zuhörern die Besonderheit des jüdischen Glaubens. Foto: Bechtle
06.09.2015

Einblick ins jüdische Leben

Die jüdischen Regeln sind das eine, die Realität das andere: Bei der Synagogenführung am Sonntag zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur berichtet Dialogbeauftragter Andrew Hilkowitz vom alten Friedhof, auf dem eigentlich nur Juden liegen dürften. Doch da fänden sich durchaus auch christliche Ehepartner bestattet, genauso wie es Urnengräber gebe. Die datieren sich zwar vor dem Zweiten Weltkrieg seien aber Strenggläubigen als Bestattungsform trotzdem verboten.

Der Gebetsraum, in dem Hilkowitz steht, ist mit zusätzlichen Stühlen bestückt, damit alle Interessenten Platz finden. Anat Kozlov wird im Anschluss ihren Vortrag: „Von jüdischer Küche und dem Überleben in dunkler Zeit“ halten als Einführung zum Film „Oma und Bella“. Das neue Jüdische Gemeindezentrum an der Emilienstraße, das am 15. Januar 2006 eingeweiht wurde, ist Begegnungsstätte für Gottesdienste, für Unterweisung und Schulung, für jüdische Festtage und Hochzeiten und für kultureller Begegnungen. Über 400 Juden gehören inzwischen der Gemeinde an. Hilkowitz erklärt den Zuhörern, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gebe, wer als Jude zu bezeichnen sei. Bei den Orthodoxen sei die Mutter maßgeblich, bei den Liberalen reich es, wenn einer Elternteile jüdischen Glaubens sei. Das religiöse Herz ist die Thora mit den fünf Büchern Mose. Die Speisegesetze sind ein Teil der 613 religiösen Gebote. Demnach müssen Milch und Fleisch getrennt werden, Um Tiere beim Schlachten nicht zu quälen, trennt ihnen ein Schächter mit einem Schnitt die Halsschlagader durch. Sie verbluten. „Im Blut sitzt die Seele, deshalb dürfen wir es nicht essen“, erklärt Hilkowitz den Zuhörern.