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Große Therapeutin: Lore (oder, wie sie in den USA heißt: Laura) Perls. Foto: Archiv
Große Therapeutin: Lore (oder, wie sie in den USA heißt: Laura) Perls. Foto: Archiv
29.12.2017

Einblicke in das Leben von Lore Perls

Pforzheim. Die Autorin und Herausgeberin Nancy Amendt–Lyon wird aus ihrem Buch „Zeitlose Erfahrung“ am Mittwoch, 7. Februar, ab 20 Uhr im Kulturhaus Osterfeld und am Donnerstag, 8. Februar, ab 19 Uhr im Saal der jüdischen Gemeinde Pforzheim lesen. 2017 konnte mit „Zeitlose Erfahrung“ endlich ein wichtiges, umfassend recherchiertes Buch zu Leben und Werk von Doktorin Lore Perls in einer deutschen Übersetzung erscheinen, erklärt der Psychologe Norbert Pöhm. Er hat 31 Jahre lang als Leiter bei der Aktionsgemeinschaft Drogen gearbeitet. Dort hatte Lore Perls in den 1980er-Jahren Supervisionen geleitet. Pöhm war ein Schüler von Lore Perls und hat sie in den beiden Monaten vor ihrem Tod zusammen mit einer Kollegin begleitet.

„Mit diesem Buch gelang der Herausgeberin die schon lange fällige, späte Würdigung dieser bedeutenden Frau, die auf drei Kontinenten lebte, hier in Pforzheim 1905 geboren und 1990 gestorben ist“, sagt Pöhm. Die Übersetzung dieses Buchs aus dem Englischen ins Deutsche konnte nur dank der finanziellen Unterstützung aus dem Raum Pforzheim verwirklicht werden. Diese Unterstützer waren laut Pöhm die jüdische Gemeinde, die Stadt Pforzheim, PZ-Verleger Albert Esslinger–Kiefer sowie die Löblichen Singer.

Amendt-Lyon beginnt ihre Lesungen nun mit zwei Terminen in der Heimatstadt von Lore Perls. Außerdem veranstaltet der „Förderverein des Hauses der seelischen Gesundheit – Lore Perls“ am Mittwoch, 7. Februar, von 20 Uhr an im Kulturhaus Osterfeld ein Konzert mit der Stadtkapelle Neuenbürg. Im Rahmen dieses Konzerts wird Amendt-Lyon ebenfalls einige Passagen aus ihrem Buch lesen.

Laut Pöhm zeichnet AmendtLyon in einer „feinfühlig-stimmigen Art“ Leben und Werk ihrer verehrten Lehrerin auf, mit der sie freundschaftlich tief verbunden war. „So hatte die Tochter von Lore Perls, die posthum der Autorin den Nachlass ihrer Mutter anvertraut hat, in Nancy Amendt–Lyon genau die richtige Erbverwalterin gefunden.“

Das Buch schließe eine große Lücke in der Wahrnehmung dieser großen Therapeutin und weite den Blick zu einer ganzheitlichen Sicht ihrer äußerst kreativen, humanistisch geprägten Lebensgeschichte. In der sorgfältig recherchierten Einleitung der Herausgeberin erhielten die Leser wichtige Hintergrundinformationen über das Leben Lore Perls’ und über die Entstehung der Gestalttherapie, eine zu den humanistischen Ansätzen zählende, weltweit verbreitete Psychotherapie.

Eine große Pforzheimerin

„Zeitlose Erfahrung“ sei jedoch nicht nur eine Fundgrube, ein Geschenk für (Gestalt-)Psychotherapeuten. „Vielmehr ist das Buch jedem anempfohlen, der an der Lebensgeschichte einer bedeutenden Pforzheimerin mit deutsch-jüdischen Wurzeln interessiert ist, die nahezu das ganze 20. Jahrhundert durchschritten hat. Dies mit wacher Bewusstheit, geistiger Weite und einer humanistisch-dialogischen Grundhaltung“, so lautet Pöhms Fazit. Und – sie sei viele Jahre vor ihrem Tod wieder versöhnt gewesen mit Deutschland, das ihr und ihrer Familie durch die Nazi-Diktatur großes Leid zugefügt hatte.