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Johanna Kirsch vom Internationalen Beirat der Stadt Pforzheim setzt sich für Teilhabe in Form von Mitreden, Mitmachen und Menschsein ein, um Menschen wie Giovanni Carrapa zu unterstützen. Foto: Warzecha
Johanna Kirsch vom Internationalen Beirat der Stadt Pforzheim setzt sich für Teilhabe in Form von Mitreden, Mitmachen und Menschsein ein, um Menschen wie Giovanni Carrapa zu unterstützen. Foto: Warzecha
11.07.2019

Einbürgerungsfeier in Pforzheim: Boch verweist auf demokratische Werte

Pforzheim. Sie haben gesät in die Zukunft, in dieses Land und damit auch in Pforzheim. Ihre einmalige Persönlichkeit wird es prägen, auf besondere Weise verwirklichen und wahrscheinlich verändern“, begrüßte Johanna Kirsch, Mitglied des Internationalen Beirats der Stadt Pforzheim, die rund 75 Anwesenden bei der Einbürgerungsfeier am vergangenen Mittwochabend in den Räumen der Jugendmusikschule. Über 360 Einwohner Pforzheims haben in den zurückliegenden zwölf Monaten die deutsche Staatsbürgerschaft erworben.

Kirsch, die selbst vor 32 Jahren als Kind mit ihrer Familie aus Polen nach Pforzheim gekommen war, wie sie berichtete, sprach direkt nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Peter Boch. Dieser machte in seiner Rede unter anderem auf die demokratischen Werte der Bundesrepublik, die Feier von 70 Jahren Grundgesetz und die Rechte und Pflichten sowohl von Einheimischen als auch Eingebürgerten aufmerksam. Diese bestehen für die, die eingebürgert werden möchten, zum Beispiel darin, einen Einbürgerungstest und diverse Sprachkurse in Deutsch abzulegen.

„Im Gegenzug dazu verpflichten wir uns, Ihnen Chancen zu eröffnen, sie willkommen zu heißen und Ihnen zu zeigen, dass Sie eine Perspektive bei uns haben“, sagte Boch. Dass dies gelingen kann, zeigte an diesem Abend nicht nur Johanna Kirsch. Sie setzt sich durch ihre Arbeit im Internationalen Beirat mit anderen Migranten dafür ein, dass Pforzheim als ihre neue Heimat noch „liebenswerter“ wird. Sie habe ihr Bildung und soziale Zugehörigkeit geschenkt.

Der 61 Jahre alte gebürtige Italiener Giovanni Carrapa ist gelernter Maschinenschlosser und arbeitet seit 37 Jahren bei der Deutsche Augenoptik AG (DAO), heute als Teamkoordinator. Mit seiner Lebensgefährtin wohnt er in der Pforzheimer Nordstadt. Er fühlt sich dort inzwischen zu Hause und ist sonst sehr zufrieden, wie er nach der Feier sagte. Das Einbürgerungsverfahren, das nach Aussagen Carrapas und Kirschs mitunter lange, rund ein Jahr, dauern kann, sollte nach Ansicht Carrapas „für die, die hier geboren sind, vereinfacht werden“.

Gerührte Integrationsfachfrau

Anita Gondek, Integrationsbeauftragte der Stadt, zeigte sich bewegt von der feierlichen Stimmung. „Spätestens beim Singen der Nationalhymne am Ende bin ich sehr gerührt, wenn man in die Gesichter der Menschen schaut, wie sie teilweise noch ein wenig unbeholfen das Deutschland-Lied singen. Da wird mir bewusst, was sie für eine weitreichende Entscheidung für sich und ihre Zukunft getroffen haben.“ Sie zeigte sich überzeugt, dass die Neubürger über den Besuch von Sprachkursen, eine gute Arbeitsstelle und Ausbildung viel von dem zurückgeben, was sie durch die Einbürgerung bekommen haben. Schließlich gehe es auch hier „um eine Beziehung, die ewig halten muss“.