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Pforzemer Mess

Abends holten Volksfestfreunde nach, was ihnen tagsüber die Hitze vergällte: Die Mess brummte auch in einem Jahr der Rekordtemperaturen.
Mess-Fan Manfred Lindner (Zweiter von rechts) überrascht die Schausteller mit kreativen Geschenken – zur Freude von Dieter Seyfert, Marktmeister Marc Pfrommer, Jutta und Patrick Seyfert sowie Karl Müller (von links). Erb
25.06.2017

Eine Mess der Extreme - Schausteller trotz der Hitzewelle zufrieden

Marktmeister Marc Pfrommer hat in den Annalen keine Hinweise darauf gefunden, dass es schon einmal eine elf Tage andauernde Mess gegeben hätte. Und Schausteller-Urgestein Peter Lössel („Bratwurstglöckle“) machte ein weiteres Extrem aus. Seit Jahrzehnten sei er dabei, „aber so heiß und ein so penetrant blauer Himmel – da kann ich mich schwerlich dran erinnern“.

Bildergalerie: Pforzheimer Messe // 24.06.2017

Dafür, dass die meisten Mess-Macher am Sonntag dennoch eine positive Bilanz ziehen konnten, sorgten Zusatzeinnahmen durch den Frühstart an Fronleichnam, aber auch extrem treue und freundliche Gäste wie Manfred Lindner. Der Pforzheimer überbrachte „Cocktailbar“-Chef Dieter Seyfert eine verzierte Familienpizza – mit Oliven hatte er den Schriftzug „Seyfert“ gelegt – und eine selbst gebastelte Miniatur-Cocktailbar samt Blumen und „Mess-Wein“. „Ich bin messverrückt“, sagte der Pforzheimer grinsend. Seyfert und sein Kollege Karl Müller („Mais-Man“) reagierten gerührt. Lindners Aktion sei einmalig, das hiesige Publikum außergewöhnlich.

Bildergalerie: Pforzheimer Messe // 23.06.2017

Aufschwung gegen Ende

„Sie sind abends trotzdem gekommen“, freute sich Seyfert – auch in der rekordverdächtigen Hitzephase von Montag bis Donnerstag, als es tagsüber auf dem förmlich glühenden Messplatz kaum auszuhalten war. In manchen Branchen war der Ausfall enorm. Während Eis- und Getränkeverkäufer vergleichsweise gut wegkamen, herrschte etwa bei Zuckerbäckern Flaute. „Wir leiden besonders unter der Hitze“, sagte Mandelbrenner Uwe Wynohradnyk. Doch die Durststrecke setzte allen zu, auch den Krämermarkthändlern, deren Stammkundschaft überwiegend älteren Semesters ist und mit Blick auf die eigene Gesundheit lieber zu Hause blieb. „Wenn keine Leute auf dem Platz sind, kann man nichts verdienen“, so Seyfert.

Bildergalerie: Pforzheimer Messe // 22.06.2017

Um so erfreulicher war der Aufschwung. Zu späterer Stunde nahm der Familientag Fahrt auf, Getümmel herrschte am folgenden Freitag beim Feuerwerk, die Frequenz am Samstag war gut, und gestern füllte sich der Platz vom Start weg bei lauen Temperaturen. „Endlich ist Mess-Wetter“, frohlockte Seyferts Frau Jutta.

Der „geschenkte Donnerstag“ sei Gold wert gewesen, betonte Karl Müller: „Von elf Tagen acht gute Tage – da muss ich zufrieden sein.“ Das war auch der Düsseldorfer „Geisterstadt“-Betreiber Hermann Fellerhoff – zum ersten Mal in der Goldstadt und „positiv überrascht“. Die Pforzemer Mess spiele im nationalen Volksfest-Vergleich mindestens „im oberen Mittelfeld“. Auch Gokartbahn-Betreiber Maxi Fackler aus Essen beschrieb seine Geschäfte als „zufriedenstellend“. Ob er mit seiner zuletzt in den Neunzigern hier zu erlebenden Bahn wiederkommen wolle? „Ja“, sagte Fackler, um augenzwinkernd zu ergänzen: „Die Frage ist, ob das wieder 25 Jahre dauert.“ Jedes Jahr gibt es viel mehr Bewerber als Plätze. Um so erstaunlicher, dass ein Krämermarkthändler völlig überraschend Mitte der Woche zusammenpackte und verschwand – ebenfalls ein Novum. „Unkollegial, so was macht man nicht“, urteilte Karl Müller.

Bildergalerie: Pforzheimer Messe // 20.06.2017

Denn grundsätzlich steht die Mess für Zusammenhalt. Das spiegelt der noch recht junge Schaustellerverband Pforzheim wider, dessen Engagement Marktmeister Pfrommer würdigte: „Richtig stark, eine gute Sache – man kennt sich und hat Vertrauen.“

Man hält zusammen

Ein weiterer Beleg ist jene Begebenheit: Ein Senior wollte unbedingt mit dem Riesenpropeller „Boostermaxxx“ fahren, verlor aber beim Rotieren seinen Geldbeutel. Schausteller Hoefnagels fand das Portemonnaie, setzte sich ins Auto und brachte es dem Mann nach Hause; den angebotene Finderlohn schlug er selbstredend aus. Jutta Seyfert berichtet zudem von einer Besucherin, die auf die Frage, ob es ihr nicht zu heiß sei, geantwortet habe: „Mess ist nur einmal im Jahr, da reißt man sich zusammen.“

Bildergalerie: Pforzheimer Messe // 17.06.2017

Bereits am Freitag hatte die Polizei einen „außergewöhnlich ruhigen“ Verlauf vermeldet, DRK-Helfer mussten zwar einige Hitzegeschädigte, aber keine Raufbolde verarzten. Deshalb blicken die Schausteller entspannt und freudig auf 2018 – auch wenn die Mess dann vom 15. bis 24. Juni wieder „nur“ zehn Tage dauert und in die Zeit der Fußball-WM fällt.