nach oben
Gemeinsam mit Arno Täsch (rechts) bediene ich die Einspielgeräte im „A8 Discoplex“ in Saarbrücken.
29.03.2014

Eine Nacht lang zünden für die Stimmungskanone

Pforzheim, Koblenz, Saarbrücken – von der einen Stadt im Eiltempo zur nächsten. 604 Straßenkilometern um zwei Auftritte zu meistern – das ist ein ganz normaler Samstagabend von Tontechniker Arno Täsch. Er betreut Schlagersänger „Almklausi“ auf nahezu allen seinen Auftritten. Ich habe ihm und dem Schlagerstar eine Nacht über die Schulter geschaut.

Treffpunkt Anschlussstelle Pforzheim-West. Auf einem kleinen Parkplatz warte ich mit dem Pforzheimer Veranstaltungstechniker Arno Täsch auf Schlagersänger Almklausi. Dieser ist bereits aus Tübingen unterwegs, um uns um 18.30 Uhr einzusammeln. Der Zeitplan für den Abend ist straff angelegt: Binnen drei Stunden soll es nach Koblenz gehen, von dort dann nach einem 45-minütigen Auftritt direkt nach Saarbrücken, um erneut für eine gute Stunde den Schlagerfans einzuheizen. Während der Fahrt nach Koblenz planen Arno Täsch und Almklausi die letzten Kleinigkeiten wie den Einsatz von Lichtfontänen und Pyroeffekten. Im Radio laufen Schlagerhits.

Bildergalerie: Almklausi live // A8 Discoplex Saarbrücken // 22.03.14

Auf dem Gelände einer Koblenzer Brauerei ist ein riesiges Partyzelt aufgebaut. Die Menschen darin feiern bereits ausgelassen. Für uns geht es aber vorbei am Eingang direkt in den Backstage-Bereich, wo wir die letzten technischen Absprachen halten. Es gilt nochmals zu klären, wann welcher Effekt abgespielt wird und in welcher Reihenfolge Almklausi seine Lieder singt. Arno Täsch notiert sich die Lieder, damit die Veranstalter immer die passende Hintergrundmusik spielen können, denn sie übernehmen in Koblenz den Part am Mischpult.

Stimmungsmacher auf der Bühne

Vor dem Auftritt muss der Zeitplan kontrolliert werden. Können die „Remmidemmi-Boys“ diesen Ablauf auch einhalten? Als sie von der Bühne gehen, heißt es schnell sein: Fontänen aufstellen und Pyroeffekte richtig platzieren, bevor Almklausi ins Rampenlicht tritt. Dieser spricht bereits aus dem Backstage-Bereich ins Mikrofon, ehe er bei tobender Menge mit dem Lied „Lo lo los geht’s“ die Bühne betritt. Zum Mitsingen bleibt mir keine Zeit, denn ich soll die Leuchteffekte zum richtigen Zeitpunkt zünden. Eine Aufgabe, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte, entsprechend groß ist natürlich die Nervosität. Tatsächlich: Die Effekte bleiben aus. Und ich bin ratlos. Schnell drückt mir Arno Täsch eine neue Neun-Volt-Batterie in die Hand. Jetzt zünden die Effekte und ich kann endlich aufatmen. Die Stimmung der Schlagerfans läuft trotz Patzer auf Hochtouren. Als der letzte Song von Almklausi durchs Bierzelt dröhnt, wartet Schlagerstar Mickie Krause bereits im Backstage-Bereich auf seinen Auftritt. „Um 1 Uhr müssen wir in Saarbrücken sein, deshalb müssen wir uns beeilen“, drängt Arno Täsch auf dem Weg von der Bühne zur Garderobe. Hier packt jeder von uns schnell seine Tasche zusammen. Noch ein kurzes Händeschütteln mit den anderen Sängern und dann.

laufen wir auch schon zügig in Richtung Auto. Nur knappe 90 Minuten bleiben uns für die 200 Kilometer bis Saarbrücken. Der Pforzheimer Tontechniker weiß allerdings mit Zeitdruck umzugehen. Er kann sogar schmunzelnd über diverse Pannen erzählen. „Wir hatten auf dem Weg zum Auftritt einen Platten am Auto. Wir haben dann den Abschleppdienst gerufen und sind mit diesem und unserem Auto beladen vor die Disco gefahren“, erinnert er sich an hilfsbereite Zeitgenossen. Und: „Bei einem Open-Air-Festival, welches für 5000 Besucher ausgelegt war, waren dann nur drei zahlende Gäste. Das war dann schon ein komisches Gefühl.“

Verspäteter Auftritt in Saarbrücken

Wir erreichen Saarbrücken 15 Minuten später als geplant. Equipment ausladen, im Büro des Geschäftsführers melden, schnell ein kühles Getränk hinunterspülen und dann die Technik am DJ-Pult kontrollieren. Von dort werde ich unter Aufsicht des Technikers die Hintergrundmusik einspielen. Damit bin ich schon eher vertraut. Die Technik im „A8 Discoplex“ ist einfach zu bedienen, lediglich Mischpult und ein Single-CD-Player werden von uns benötigt. Almklausi serviert in Saarbrücken ein ähnliches Programm wie in Koblenz, was mir die Arbeit erleichtert.

Die Tonabstimmung von Mikrofon und Hintergrundmusik übernimmt Täsch, während ich am CD-Player stehe. Mir gelingt mein Einsatz und die Gäste feiern gut gelaunt mit. Almklausi tritt ab, die Heimfahrt nach Pforzheim steht bevor. Einen kurzen Blick in die restlichen Räume der Großraumdisco wagen wir trotzdem, insbesondere auf die Lichttechnik und die „Moving Heads“ unter dem Glasboden auf der Tanzfläche. „Das sind eigentlich nur bewegte Scheinwerfer“, erklärt mir der Technikexperte.

Über zwei Stunden dauert die Fahrt von Saarbrücken nach Pforzheim. Sie wird auch für eine weitere Nachbesprechung genutzt. „Für uns war das wieder eine gelungene Nacht“, sagt Täsch. Und ich atme auf, dass ich als Nachtschicht-Gehilfe nichts verbockt habe. „Das Problem bei solch einer Tour bei Nacht ist, dass wir kaum Zeit haben, um etwas zu essen“, merkt Almklausi an. „Wir kommen am Sonntagmorgen nach Hause und liegen direkt ins Bett. Da geht einem der halbe Sonntag verloren“. Täsch erzählt, dass er solch eine Tour nahezu jedes Wochenende mitmacht. „Und jetzt kommt auch noch die Mallorca-Saison, da fliegen wir dann auch regelmäßig an den Ballermann.“ Um 6.30 Uhr erreichen wir völlig erschöpft die Heimat.