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Viele Kooperationspartner schart die Koordinatorin der Interkulturellen Woche, Mirzeta Haug (mit kleinem Plakat), auch in diesem Jahr um sich. 

Eine Stadt wächst zusammen - Die interkulturelle Woche steht an und lockt mit vielfältigem Programm

Pforzheim. Während Rechtspopulisten immer lauter werden, ist die Interkulturelle Woche in Pforzheim mit ihrer kulturellen und religiösen Vielfalt ein Zeichen für Solidarität, Frieden und Gleichberechtigung. Da sind sich die vielen Partner einig, die das Programm für 21. September bis 6.Oktober unter dem Motto „Zusammen leben, zusammen wachsen“ auf die Beine gestellt haben.

.„Ich habe heute Menschen um mich, die hierfür täglich etwas tun“, freute sich die Koordinatorin Mirzeta Haug (evangelische Erwachsenenbildung) gestern beim gemeinsamen Pressegespräch. Die Veranstaltungen machten deren Arbeit sichtbar. „Nur Begegnungen können Vorurteile abbauen“, weiß sie. Bundesweit findet die Interkulturelle Woche seit 1975 statt, heute nehmen 500 Städte teil. Lesung: Den Auftakt bildet am Samstag, 21. September, ab 19 Uhr eine deutsch-italienisch-arabische Autorenlesung unter dem Titel „Orient trifft Okzident“ im Hermann-Maas-Haus. Jüngste Teilnehmerin ist laut der Flüchtlingsbeauftragten und Pfarrerin Nicola Friedrich eine 19-jährige Syrerin vom Reuchlin-Gymnasium.

Ausstellungen: Noch bis 2. Oktober ist die Ausstellung „Demokratie wagen? Baden 1818–1919“ im Atrium der Schule zu sehen, deren Titel Initiator Wenzel Philipp (Deutsch-Polnische Gesellschaft) gerne in „Demokratie wagen!!!“ abändern würde. Daneben verweist er auf die Ausstellung „Das kleine Format – 10. Internationale Biennale aus Tschenstochau“ der polnischen Partnerstadt, die derzeit donnerstags bis sonntags in der Galerie Brötzinger Art zu sehen ist. Am Dienstag, 24. September, startet die Ausstellung „Kultur & Sprache“ im Foyer der Stadtbibliothek, sie zeigt noch bis 5. Oktober während der Öffnungszeiten die Vielfalt der Einrichtung. Mit einem Pin können Besucher auf einer Karte markieren, wo ihre Wurzeln liegen, verrät Pressesprecherin Monika Roovers.

Kinder: Ebenfalls in der Bibliothek findet am 26. September die Europäische Vorlesestunde für Kinder ab vier Jahren statt, die laut der Europabeauftragten Anna-Lena Beilschmidt bereits ausgebucht ist. Gelesen wird in diesem Jahr auf Polnisch, Italienisch und Kroatisch. Am 1. Oktober ist dann ab 11 Uhr im „Café Carlo“ Märchenstunde. Hier wird um Anmeldung beim Internationalen Bund (sandra.mutz@ib.de) gebeten.

Theater: Während viele Beiträge das Zusammenwachsen feiern, beleuchtet das Jugendtheater mit dem Stück „Jihad Baby!“ Radikalisierung und Extremismus. Veranstaltungsort ist am 26. September ab 18.30 Uhr das „Café Roland“. Es folgt eine Podiumsdiskussion. Themen, die sie bewegen, beleuchten derweil sieben afghanische Mädchen vom Mädchenbildungszentrum von Lilith im Stück „Zwölf zwitschern Kröte“, das sie am 2. Oktober ab 17 Uhr im Kulturhaus Osterfeld aufführen. „Das Stück kommt mit wenig Sprache aus, sagt aber viel aus“, so Koordinatorin Haug. Zu beiden Aufführungen ist der Eintritt frei.

Kino: Gleich mit fünf Filmen ist das Kommunale Kino vertreten. „Die Auswahl fiel nicht schwer“, so Geschäftsführerin Christine Müh. „Wir haben viel Interkulturalität auf der Leinwand.“ Neben „Ein Licht zwischen den Wolken“ und „Synonymes“ verweist sie auf den Film „Oray“, eine Kooperation mit der Fatih-Moschee am 24. September ab 20 Uhr. Im Rahmen von „Kino verbindet“ läuft am 29. September „Reiß aus“, am 30. September geht es in zwei in Pforzheim entstandenen Kurzfilmen bei freiem Eintritt um Werte.

Begegnungen und Genuss: Das QuarZ-Innenstadt lädt für 26. September von 9.30 bis 11.30 Uhr zum interkulturellen Frühstück ins „Café Anschluss“. Sabine Splawski verspricht einen „humorvollen Austausch“. Auf inhaltliche wie kulinarische Impulse freut sich auch IB-Geschäftsführerin Liane Bley am 27. September ab 15 Uhr im „Café Carlo“. Am 2. Oktober gestalten dann die Frauen des „BEF-Alpha“-Kurses von 15 bis 19 Uhr dort den Nachmittag. Beim Bürgercafé im Stadtteilzentrum KF 102 werden am 6. Oktober von 15 bis 17 Uhr landestypische Rezepte getestet. Der Blick über den Tellerrand, den Katja Wengert (SJR) ankündigt, ist dabei ganz wörtlich zu verstehen.

Gottesdienst: Unter dem Motto „Was mir heilig ist“ steht der ökumenische Gottesdienst, der am 22. September um 9.30 Uhr in der Kirche St. Elisabeth auf dem Buckenberg abgehalten wird – mit afrikanischen Klängen.

Infoveranstaltung: Im Quartierszentrum West (Simmlerstraße 10) informiert Q-Prints&Service am 26. September und 1. Oktober jeweils von 13 bis 15 Uhr über das Programm „Alondra 2.0“, das Praktika im Ausland ermöglicht. „Demnächst geht es etwa nach Malta, da sind noch Plätze frei“, so Katharina Meyer.

Offene Türen: Während am 24. September ab 19 Uhr die St.-Franziskus-Kirche besichtigt werden kann, öffnet das Kulturhaus Osterfeld zum 25-jährigen Bestehen am 29. September von 11 bis 18 Uhr seine Türen. Am 3. Oktober nehmen dann die DITIB-Fatih-Moschee und die Bait-ul-Baqi-Moschee am Tag der offenen Moschee teil. „Wir suchen den Dialog, um Vorurteile aus der Welt zu schaffen“, so Yavuz Cevik (DITIB). Es bestehe viel Gelegenheit, Fragen zu stellen, ergänzt Zaheer Qamar (Bait-ul-Baqi-Moschee).

Konzert: In eine andere Welt entführt der irische Singer-Songwirter Kieran Goss mit Annie Kinsella am 5. Oktober ab 20.30 Uhr im Kulturhaus Osterfeld.

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Anke Baumgärtel

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