nach oben
12.03.2011

Eine frühere Pforzheimerin berichtet für PZ-news aus Japan


YOKOHAMA/PFORZHEIM. Die Koffer sind gepackt. Sie ist bereit zur Flucht aus Japan: Gabi Wabro, ehemalige Pforzheimer Rechtsanwältin, berichtet für PZ-news  aus Yokohama - 50 Kilometer von der Ost-Küste Japans entfernt - am Tag nach dem Tsunami.

"In der vergangenen Nacht gab es alle zwanzig Minuten relativ heftige Beben. Mein Mann Markus und ich hatten die Koffer in den Eingang unseres Hauses gestellt - gepackt mit dem Nötigsten und natürlich Getränken und Keksen als Notration. Bereit zur sofortigen Flucht.

Das Leben nach dem Beben lief in Yokohama relativ geordnet weiter. Zerstörungen waren hier kaum zu registrieren. Bislang keine Hamsterkäufe an Tankstellen oder in Lebensmittelläden. Die Informationspolitik der Japaner ist sehr schlecht. Wirkliche Neuigkeiten erfahren wir über deutsche Internet-Seiten. Von der deutschen Botschaft wurden wir per E-Mail nach dem Beben gefragt, wie es uns ginge. Seitdem hat man sich nicht mehr um die hier lebenden Deutschen gekümmert.

Mein Mann arbeitet ja wie gesagt als Diplomingenieur und Abteilungsleiter hier bei Bosch in Yokohama. Nach dem Reaktor-Unglück diskutieren wir natürlich intensiv, ob wir versuchen sollen, nach Deutschland zurückzukommen. Aber mein Mann ist hier Abteilungsleiter und als Chef möchte er nicht die Firma zurücklassen. Zudem ist es kaum möglich, einen Flughafen zu erreichen. Die großen Straßen sind gesperrt. Und Fernzüge fahren nicht, bestenfalls die Regionalbahnen. Telefonisch klappen die Verbindungen nach Deutschland bislang gut."

(O-Ton Gabi Wabro aufgezeichnet von Thomas Satinsky)

Leserkommentare (0)