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Überraschung noch vor dem Fest:  Sozialarbeiter Gieso Wege, Hella Marquardt, Wichernhaus-Chef Jürgen Ransiek und WiP-Stadtrat Wolfgang Schulz (von links) richten die Päckchen für die Gäste aus der Siedlung Unteres Enztal her. Sponsoren hatten die Feier ermöglicht.
Überraschung noch vor dem Fest: Sozialarbeiter Gieso Wege, Hella Marquardt, Wichernhaus-Chef Jürgen Ransiek und WiP-Stadtrat Wolfgang Schulz (von links) richten die Päckchen für die Gäste aus der Siedlung Unteres Enztal her. Sponsoren hatten die Feier ermöglicht. © Bechtle
17.12.2009

Eine schöne Bescherung in der Obdachlosensiedlung

PFORZHEIM. In der Obdachlosensiedlung Unteres Enztal glaubt schon lange keiner mehr an den Weihnachtsmann: Zu viel Not und Einschränkungen haben viele der 150 dort lebenden Menschen über Jahrzehnte erlebt und zu wenig Normalität. Eine Weihnachtsfeier gab es im Gemeinschaftshaus schon seit vielen Jahren nicht mehr. Bis Donnerstag.

Mitarbeiter vom Wichernhaus, ehrenamtliche Helfer der Bürgerinitiative WiP („Wir in Pforzheim“) und die ehemalige CDU-Stadträtin Hella Marquardt verwöhnten 30 Bewohner der Siedlung an den liebevoll gedeckten Tischen mit Pizza, Kuchen und Kaffee. Zwischendurch gab es Märchen, Lieder und eine Bescherung.

Für den Sozialarbeiter Gieso Wege, der seit kurzem in der Siedlung sechs Stunden in der Woche unterwegs ist, eine gute Gelegenheit zum Gespräch. „Oft stehe ich vor verschlossener Tür, Vertrauen aufzubauen braucht eben seine Zeit,“ erklärt er. Deshalb hatte WiP-Stadtrat Wolfgang Schulz in der letzten Gemeinderatssitzung für eine deutliche Aufstockung der Stundenzahl plädiert.

Das sagt er zu Beginn der Feier. Damit Menschen wie die 60-jährige Frau besser betreut werden können, die seit zwei Jahren ohne Strom und Ofen lebt und heute innerhalb der Siedlung umziehen wird. „Der Block, in dem ich lebe, wird abgerissen,“ sagt sie. Sie hat eine dicke Mütze auf dem Kopf, weil es bei ihr zu Hause nie warm wird. Für sie wäre es ein Weihnachtsgeschenk, wenn sie nach dem Umzug warmes Wasser hätte.

Er lebe gerne in der Siedlung, sagt ein schmächtiger 42-Jähriger. Er müsse aber zu seiner Freundin in die Nordstadt, wenn er duschen wolle oder fernsehen. Sein größter Wunsch: Dass der Strom wieder geht.

An diesem Nachmittag werden Geschenke anderer Art verteilt: WiP kündigt an, einen Lastwagen mit zwei Kubikmetern Brennholz in den nächsten Tagen in die Siedlung zu bringen. Und die Gesellschaft für Beschäftigung und berufliche Eingliederung wird zweimal in der Woche eine warme Mahlzeit liefern. Für den, der es möchte, sagt Wege. Er hat bereits fünf Unterschriften eingesammelt. Es wird noch eine Weile dauern, bis er mit allen in der Siedlung gesprochen hat. Vor allen mit den 35 Senioren, die teilweise auf Hilfe angewiesen sind. Und dann gebe es noch die anderen im Unteren Enztal, sagt Wege. Denen es besser gehe, weil Arbeit da sei, die keinen Wirbel um die Siedlung wollen. Die wollen, dass es bleibt, wie es ist.