nach oben
25.08.2008

Eingreifen statt wegschauen: Mehr Zivilcourage wagen

PFORZHEIM. Ein kurzer prüfender Blick. Er fühlt sich unbeobachtet. Schnell, lautlos und unbemerkt öffnet der junge Mann, den Rucksack eines Mädchens. Seine Finger finden gleich den erhofften Geldbeutel. Die Scheine entnimmt er mit geübten Griff und steckt den Geldbeutel diskret in den Rucksack zurück.

Ein älterer Mann beobachtet fassungslos das Geschehen, greift aber nicht ein. Ihm fehlt es an der nötigen Zivilcourage.

Definiert als “Mut, die eigene Überzeugung ohne Rücksicht auf eigene Gefährdung oder mögliche Nachteile gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten oder in der Öffentlichkeit zu vertreten“, beginnt Zivilcourage schon im Kleinen. Zum Beispiel wenn ein Kind in der Schule von einem Lehrer ungerecht behandelt wird.

Eine Umfrage in Pforzheim ergibt unterschiedliche Einstellungen zum Thema Zivilcourage. „Ich würde immer eingreifen“, behauptet ein Mann mittleren Alters selbstbewusst. „Wenn einer Frau eine Gruppe starker Männer gegenüber steht, wäre es wohl doch besser die Polizei zu rufen“, antwortet dagegen eine junge Pforzheimerin.

Belästigung, Diebstahl, Schlägerei – wegschauen, eingreifen oder doch lieber zur Polizei?

Eine Grenze ist schwer zu ziehen, so rät auch der Pforzheimer Polizeipressesprecher Wolfgang Schick: „Niemand muss sich selbst in Gefahr bringen“. Im Zweifel sei es also besser, die Polizei zu rufen und eine detaillierte Beschreibung des Täters abzugeben. Auch Schick kann lediglich Tipps zum Thema geben. Für das Opfer sei es am wichtigsten „auf sich aufmerksam zu machen“ und es reiche oft schon wenn Passanten auf die Täter mit einem lauten „Was soll denn das“ zugingen, so Schick. Das Problem dabei: „Die meisten Leute haben Angst“, weiß der Polizeisprecher. Er empfiehlt hier Selbstbehauptungstrainings, die auch von der Polizeidirektion angeboten werden.

Zivilcourage ist keine angeborene Charaktereigenschaft, sondern kann von jedem erlernt und praktiziert werden. Schon einfache Dinge, wie andere zur Mithilfe auffordern, einen Notruf absetzen oder sich Tätermerkmale einprägen ist oft schon Hilfe genug.