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30.11.2008

Einkaufen wird zum Erlebnis: Shopping bis Mitternacht, „City on Ice“ und Weihnachtsmarkt verbinden sich ideal

PFORZHEIM. Nun hat es also endlich geklappt: Die Eisbahn konnte zum gleichen Zeitpunkt eröffnen wie der Weihnachtsmarkt – und einige Geschäfte hielten die Pforten bis Mitternacht geöffnet. Das Dreiklang-Konzept ist aufgegangen.

Was nützt es dem Einzelhandel, wenn die City brummt, aber in den über die normalen Zeiten geöffneten Geschäften „tote Hose“ herrscht? Das fragt sich jeder, wenn in der City der Bär steppt – insbesondere Einzelhandelspräsident Horst Lenk. Sein Fazit der „Langen Einkaufsnacht“, die erstmals gleichzeitig einherging mit „City on Ice“ und Weihnachtsmarkt: „Die drei Veranstaltungen haben sich gegenseitig befruchtet“, sagt Lenk, „es gibt einige echte Gewinner unter den Kollegen mit einem zweistelligen Umsatzplus.“

Einkaufen und Eislaufen

Im vergangenen Jahr konnte die Eislauffläche wegen des Marktplatz-Umbaus nicht rechtzeitig in Betrieb genommen werden, weshalb Weihnachtsmarkt und das Kufen-Vergnügen nicht zur gleichen Zeit stattfanden. Das sollte diesmal alles anders sein, schworen sich Stadtverwaltung und der Einzelhandel, insbesondere das Citymarketing. Man spekulierte erfolgreich auf den Mitnahme-Effekt.

Warum nicht Abends eine Wurst, ein Flammkuchen oder eine Rentierschinken-Polar-Rolle futtern, mit Punsch oder Glühwein nachspülen und sich die klammen Finger wärmen – und anschließend (oder vorher) aufs Eis gehen, ein paar Bahnen gleiten? Oder einfach nur sehen und gesehen werden? Das funktioniert prächtig, und auch bei „Langen Einkaufsnacht“ sollte noch einer draufgesetzt werden.

„Du schon wieder?“ Erst an der Eisbahn getroffen, dann im Vorübergehen am Glühweinstand grüßend die Hand gehoben, und jetzt vor der Umkleidkabine ein Stelldichein der wartenden Männer – keine Seltenheit an diesem Abend, der in eine Shopping-Nacht übergehen sollte.

„Die Menschen lassen sich die Stimmung nicht verleiden.“ Da ist sich Horst Lenk mit Schmuckdesigner und Goldschmied Piet van den Boom einig – Trotz als Konjunkturmotor. „Ohne euphorisch werden zu wollen: Uns kann ein solides Weihnachtsgeschäft mit einem hauchdünnen Plus zum Vorjahr gelingen“, sagt Lenk. Schmuck, das hat er von den Kollegen in einem ersten Kurz-Resumee erfahren, sei sehr gut gelaufen, „das freut mich für die Goldstadt natürlich besonders“, so der Einzelhandels-Chef.

Vorfreude auf nächsten Samstag

„Weihnachtsmann hält seinen Schutzmantel über den Einzelhandel“, formulierte unter dem Eindruck der ersten Rückmeldungen gestern der Verband – und das, obwohl sich manche Arbeitnehmer nicht sicher waren, ob ihr Gehalt schon überwiesen war (was sich am zweiten Advents-Samstag mit Sicherheit ändern und aller Erfahrung nach in der Kauflaune niederschlagen wird). Apropos „Schutzmantel“: Für Verwirrung sorgte bei manchem PZ-Leser das Aufstellen und die Inbetriebnahme von Heizpilzen. War nicht bei Androhung von Bußgeldern diese künstliche Wärmequelle wegen Energieverschwendung verboten?

„Wer vor dem 1. April die Erlaubnis eingeholt hat, für den gilt die Regelung in diesem Jahr nicht“, so Ordnungsamtsleiter Wolf-Dietmar Kühn auf Nachfrage. Unverständlich blieb Innenstadt-Besuchern, weshalb ausgerechnet am Tag mit dem größten Publikumsaufkommen eine von zwei öffentlichen Toilettenanlagen – die unterm Leo – „vorübergehend geschlossen“ blieb. „Wenn da was kaputt ist, muss man halt alle Hebel in Bewegung setzen, dass das wieder funktioniert“, so ein Besucher kopfschüttelnd. Auch gestern platzen Weihnachtsmarkt und „City on Ice“ wieder aus allen Nähten.