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Am 25. Juni wurde das Akkordeon-Service-Center am Alten Göbricher Weg 51 in Pforzheim ausgeraubt. Der Schaden lag bei weit über 50 000 Euro Foto: Ketterl
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Mit brachialer Gewalt sind die Einbrecher über eine Sicherheitstür ins Akkordeon-Fachgeschäft nahe am Autobahnanschluss Pforzheim-Nord eingedrungen. Foto: Ketterl

Einmaliger Fall: Einbrecher stehlen 20 Akkordeons im Wert von 70.000 Euro

Sabine Doll, die erfahrene Karlsruher Polizeisprecherin war selbst verblüfft, als sie die Unterlagen zu einem Einbruch im „Akkordeon Service Center Zimmermann“ am Alten Göbricher Weg 51 in Pforzheim auf den Tisch bekam. In der Nacht zum Donnerstag sind Unbekannte dort eingedrungen. Ihre Beute: 20 Akkordeons von Hohner Morino und Bugari sowie eine unbekannte Anzahl Mundharmonikas. Eine erste Schätzung geht von einem Diebstahlschaden in Höhe von rund 70.000 Euro aus.

Die gestohlenen Instrumente von Hohner Morino kosten, so Sonja Zimmermann, im Schnitt im Handel rund 10.000 Euro. Von Bugari gibt es Akkordeons, die für das Dreifache über den Ladentisch gehen. „Die sind bestimmt unterwegs ins Ausland“, meint Sonja Zimmermann. Deutschlandweit seien Händlerkollegen informiert worden, die Seriennummern seien bekannt. Hierzulande dürften solche Profi-Musikinstrumente nur schwer zu verkaufen sein, zumal viele Musiker bei Reparaturen den Weg in die Pforzheimer Werkstatt von Bernhard Zimmermann suchen – und der würde seine geraubten Akkordeons wiedererkennen.

„Mein Mann wird gezielt bei ebay und anderswo im Internet suchen“, erklärt Sonja Zimmermann. Das ist die Hoffnung der Inhaberfamilie des Akkordeon-Centers, dass vielleicht einer der Einbrecher oder Auftraggeber versucht, solch ein teures Instrument über eine Onlineplattform zu versteigern. Auch bei der Polizei, so Sabine Doll, werden Ermittler versuchen, online den Akkordeons auf die Spur zu kommen. Das wäre nicht der erste Fahndungserfolg nach der Suche in einem Versteigerungsportal.

Einbruch als Auftragsarbeit?

„Möglich ist alles und wir werden in alle Richtungen ermitteln“, sagt Polizeisprecherin Doll, die jedoch die Chance für ein Verschieben der Beute ins Ausland als sehr hoch einschätzt. Jüngst wurde in einem Fachgeschäft auf der Wilferdinger Höhe gezielt Motorradbekleidung gestohlen. Da denke man, so Sabine Doll, an einen Auftragseinbruch.

Und wer lässt Akkordeons stehlen? Darauf gibt es noch keine Antwort. Ob die Täter schnell ermittelt werden können, hängt auch davon ab, welchen Informationswert die am Tatort gefundenen Spuren haben. Die Kriminaltechnik arbeite noch daran, so Sabine Doll.

Völlig überraschende Tat

Bei Familie Zimmermann spürt man auch Stunden nach der Entdeckung der Tat am Donnerstagmorgen die Überraschung und ungläubiges Staunen. Ihr Unternehmen besteht seit 25 Jahren, doch einen Einbruch gab es noch nie. Sonja Zimmermann kann sich auch nicht daran erinnern, dass jemals ein Kollege von einem gezielten, massenhaften Akkordeondiebstahl in Deutschland berichtet habe.

Die Einbrecher mussten offenbar richtig schuften, um eine auf der Gebäuderückseite liegende Sicherheitstüre aufzubrechen. Die Täter müssen mindestens mit einem Transporter vorgefahren sein, um die Beute wegschaffen zu können.