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Erfahrener Mann und ein junger Kopf mit frischen Ideen: Der nach einer Erkrankung beeinträchtigte THG-Schulleiter Udo Kromer (rechts) und sein Stellvertreter Stefan Mielitz schultern vereint die Verwaltungs- und Führungsaufgaben. Foto: Erb
Erfahrener Mann und ein junger Kopf mit frischen Ideen: Der nach einer Erkrankung beeinträchtigte THG-Schulleiter Udo Kromer (rechts) und sein Stellvertreter Stefan Mielitz schultern vereint die Verwaltungs- und Führungsaufgaben. Foto: Erb
14.07.2017

Einsatz am THG: Nach Erkrankung von Direktor steht Schule zusammen

Das Theodor-Heuss-Gymnasium ist in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Schule. Als einziges der fünf staatlichen allgemeinbildenden Gymnasien in Pforzheim bietet das THG den neunjährigen Weg zum Abitur an. Keine Schule hatte solch einen Schüleransturm zu bewältigen. Überdurchschnittlich war und ist der Ruf der Lehranstalt an der Zerrennerstraße. Und die Schulleitung muss mit einer besonders fordernden Aufgabe umgehen. Nach einer schweren Erkrankung hat sich der Direktor Udo Kromer zurückgekämpft. Für alle Beteiligten ist der schulische Alltag ein Kraftakt, den man mit interner und externer Unterstützung und durch veränderte Strukturen gemeinsam stemmen will.

Leben an seidenem Faden

Es war im Februar 2014, als Udo Kromers Leben eine völlig neue Wendung nahm. Nach einer Hirnblutung hing es am seidenen Faden. Während der Direktor ums Überleben rang, gab sein Team alles, um die Schule auf Kurs zu halten. Im Januar 2015 kehrte Kromer zurück, zunächst in abgestufter Wiedereingliederung. Längst fährt der 61-Jährige wieder volles Programm – auch wenn ihn Nach- und Auswirkungen der Erkrankung bis heute beeinträchtigen.

Als er nach der akuten Krise die Sprache wiedergefunden habe, sei seine erste Frage gewesen: „Wann kann ich wieder arbeiten?“ Dies sei sein großes Ziel und ein „Riesenantrieb“ gewesen, berichtet Kromer – um „bis heute die Zähne zusammenzubeißen“. Er sehe sich in der Verantwortung für die „sehr starken G9-Jahrgänge“ – es gibt nach dem zwischenzeitlichen Peak nun acht achte Klassen. „Ich will, dass alle ihre Schulzeit gut durchlaufen.“

Zu Hause Däumchen drehen? Für Kromer keine Option. Zumal ihm die Arbeit nach wie vor Spaß mache. „Wenn ich sitze, denke ich immer, es ist wie früher“, sagt der Schulleiter. Die volle Dienstfähigkeit sei ihm ohnehin bescheinigt worden. Allerdings: Die halbseitige körperliche Schwäche erschwert den Alltag. Durch die Gehbehinderung werde jeder Gang zur „Weltreise“.

Um so erfreuter war die Schulgemeinschaft, als die lange erwartete Ernennung seiner langjährigen rechten Hand im Kollegium durchs Kultusministerium jüngst ins Haus flatterte. Studiendirektor Stefan Mielitz wird als stellvertretender Schulleiter mehr Zeit für jene Aufgaben haben. Er habe große Freude an der Verwaltungsarbeit, an Stundenplanung wie Schulverwaltung, betont der 42-Jährige. Mielitz führe die Schule im Vertretungsfall, berichtet Kromer, sei in planerischen Dingen versiert („Solch ein Naturtalent habe ich noch nicht erlebt“), werde aber auch wegen der Beeinträchtigung seines Vorgesetzten immer wieder öffentlichkeitswirksame Auftritte übernehmen: „Er ist das Gesicht des THG nach außen.“ Kromer spricht von einem „Spannungsbogen“ zwischen dem jungen Stellvertreter mit „vielen neuen, frischen Ideen“ und einem erfahrenen Schulleiter, der in Pforzheim arbeite, lebe und zur Schule gegangen sei. „Das THG braucht uns beide“, so Kromer: „In der Schülerberatung und organisatorisch macht mir keiner was vor.“ Die anhaltende Sorge von Schülern, Eltern und Lehrern angesichts der besonderen Situation könne er nachvollziehen, sagt Kromer, betont aber: „Um den Alltag am THG muss sich keiner Sorgen machen.“

Dennoch sieht sich der Elternbeirat besonders gefordert. Der Vorstand wisse um die Schwierigkeiten der Schulleitung, sagt der Vorsitzende Ulli Wetzel, es gebe auch Konflikte: „Aber wir sind bestrebt, die Schule in ein ruhiges Fahrwasser und nach vorne zu bringen und im Beirat Konstanz zu wahren.“ Auch die zuständigen Behörden nehmen die Bedenken ernst. Er habe „höchsten Respekt vor der Arbeit des Kollegen Kromer“, sagt Vittorio Lazaridis, Abteilungspräsident für Schule und Bildung im Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe: „Er hat Großartiges für die Schule geleistet.“ Die Arbeit am THG sei sehr schön, aber auch sehr belastend. „Ich hätte es verstanden, wenn Herr Kromer nach seiner Krankheit in den Vorruhestand gegangen wäre“, betont Lazaridis. Grundsätzlich gelte, dass Kromer die Schule leiten könne, aber die Hilfe erhalte, die ihm als Schwerbehindertem zustehen. Dennoch hätten sich Eltern und Kollegen mit der Bitte um Unterstützung ans RP gewandt. „Wir begleiten die Schule sehr eng“, so Lazaridis. So sei etwa ein Kollege aus dem RP bei Gesamtlehrerkonferenzen dabei. Das Verfahren zur Besetzung des Konrektorats sei beschleunigt worden. „Wir werden die Schule regelmäßig vonseiten der Schulaufsicht besuchen und stehen weiterhin der Schulgemeinde, vor allem den Eltern, für Gespräche zur Verfügung.“ Die Qualität sei gewährleistet. Lazaridis: „Diese Schule funktioniert – auch aufgrund des Engagements der Kollegen vor Ort, die einen tadellosen Job machen.“

Stadt schaut genau hin

„Das RP und wir als Schulträger haben angesichts eher überdurchschnittlich vieler Rückmeldungen aus der Schulgemeinschaft ein besonderes Augenmerk aufs THG“, versichert Schulbürgermeisterin Monika Müller: „Wir nehmen natürlich Rücksicht auf die Situation von Herrn Kromer, indem wir zum Beispiel Termine möglichst vor Ort ansetzen, damit Herrn Kromer umständliche Wege erspart bleiben.“ Gerade das Angebot der Schulsozialarbeit erweise sich als „wertvolle Unterstützung für die Schulgemeinschaft“. Die für den Arbeitsalltag des Schulleiters geforderte bauliche Veränderung am THG sei auf den Weg gebracht und werde in der Sommerpause angegangen, versichert Müller. Auch hier bleibt noch einiges zu tun.

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