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22.02.2010

Ellen Eberle zum 23. Februar: Angst vor dem Ersticken

PFORZHEIM. Menschen werden von Bombensplittern zerfetzt, von Trümmern erschlagen, sie verbrennen im Feuersturm und ersticken in den Bunkern. Das Grauen ist unvorstellbar an diesem 23. Februar 1945, an dem britische Bomber Pforzheim in eine Hölle verwandeln. Wer dieses Inferno überlebt hat, wird die schrecklichen Szenen nicht mehr vergessen. Ellen Eberle, SPD-Stadträtin und ehemalige Polizeikommissarin, war damals noch ein Kind. PZ-news schildert sie ihre Erinnerungen.

Und sie tut dies in Verbindung mit einer Anklage. Militär und Stadtverwaltung hätten wohl gewusst, was in jenen Februar-Tagen auf die Stadt zukommen könnte. Ihre Mutter sei auf dem Dobel von Militärangehörigen gewarnt worden, mit ihrer Tochter Ellen zu einer Beerdigung nach Pforzheim zu fahren. Hätten Tausende gerettet werden können, wenn die Verantwortlichen den Mut gehabt hätten, nach all den vorangegangenen Fliegeralarmen eine Warnung auszusprechen und die Menschen aus der Stadt zu schicken?

Ellen Eberle hat die Bombenwürfe und den Feuersturm mit ihrer Mutter überlebt. Das waren Stunden der Angst. Nur nicht viel bewegen oder reden, denn bald könnte der Sauerstoff knapp werden. Und damit dass nicht vergessen wird, war im Schutztraum immer wider das dumpfe Grollen der Einschläge und Explosionen zu hören, das Zittern der Erde. Da war die Angst um das eigene Leben und zugleich auch eine Art betäubende Gefühlsleere. Später kam dann noch die Gewissheit dazu, dass außerhalb der schützenden Mauern und Stahltüren etwas unvorstellbar Schreckliches passiert sein musste.

Obwohl sie noch ein kleines Kind und nicht allzu nah am blutigen Geschehen dran war, obwohl sie nicht nach dem Angriff die Toten einsammeln und die Verluste beklagen musste, hatte Ellen Eberle an diesem Tag mehr Grauen sehen müssen als viele Menschen ertragen können.

Nur einen kleinen Einblick in den Schrecken des 23. Februar 1945 können die Videos auf der Sonderseite von PZ-news gewähren. Die freundlicherweise von der Stadt Pforzheim zur Verfügung gestellten Schwarzweiß-Aufnahmen zeigen historisches Bildmaterial, das Pforzheim als Ruinenstadt zeigt, die, so sahen es damals viele, wohl nie wieder aus Schutt und Asche auferstehen würde. Mit dabei ist auch eine historische US-Wochenschau, die vom Tod einer Stadt berichtet.