nach oben
Roman, Paul, James, Oliver, Maxi und Sascha (von links) sind schon heiß aufs Training. Johannes Braun (hinten links), Trainer Konstantin Gunko und Waldemar Meser (rechts) repräsentieren die Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß.  Foto: Ketterl
Roman, Paul, James, Oliver, Maxi und Sascha (von links) sind schon heiß aufs Training. Johannes Braun (hinten links), Trainer Konstantin Gunko und Waldemar Meser (rechts) repräsentieren die Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß. Foto: Ketterl
29.12.2015

Elterninitiative Buckenberg-Haidach: Angezählt – aber nicht am Boden

Die Elterninitiative Buckenberg-Haidach dünnt ihr Angebot aus. Die Boxgruppe erfreut sich aber weiterhin großer Beliebtheit.

Bevor kleine Fäuste in gepolsterten Handschuhen aufeinanderklatschen, den Sandsack malträtieren und Schweiß den Jungs das T-Shirt parfümiert, ist Aufwärmen angesagt. Sie drehen ihre Runden in dem kleinen Raum am Bussardweg auf dem Buckenberg – unter den Augen ihrer Trainer Konstantin Gunko und Valerij Beck, beide vom Boxring 74 Ötisheim. Beck hatte den jungen Boxer Gunko schon unter die Fittiche genommen, als der 1995 von der Krim in den Enzkreis kam. Heute trainieren sie Kinder und Jugendliche auf dem Haidach, viermal in der Woche, jeweils zwei Stunden lang.

Unter normalen Umständen wäre Waldemar Meser (65) jetzt stolz und zufrieden. So wie er es über 16 Jahre lang als Vorsitzender der von ihm mitgegründeten Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß war, wenn die jungen Spätaussiedler oder deren in Pforzheim geborene Kinder von den Betreuungsangeboten des vielfach ausgezeichneten Vereins regen Gebrauch machten. Insbesondere, wenn sie dies im Vereinsheim an der Hagenschießstraße taten – in einem Teil des ehemaligen Kindergartens des französischen Husarenregiments (in einem anderen Gebäudeteil ist das DDR-Museum „Gegen das Vergessen – Lernort Demokratie“ untergebracht).

Doch die Geschichte mit dem Vereinsheim war nur eine sechsjährige Episode, dort sind momentan 40 Flüchtlinge untergebracht. Der Verein sah sich spätestens ab November nicht mehr in der Lage, der Stadt als Eigentümerin der Immobilie die monatliche Miete zu zahlen – da halfen auch die Sponsoren- und Preisgelder nicht, ebenso wenig die wortreiche Anerkennung der ehrenamtlich geleisteten Arbeit im Stadtteil über mehr als ein Jahrzehnt. Die Elterninitiative ist ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerks im Stadtteil – zusammen mit den Kirchen, der Mobilen Jugendarbeit, der AG Drogen (heute: Plan B), dem Bürgerhaus und dem Polizeiposten.

Wehmut kommt auf

Bereits zwei Jahre nach Gründung des Vereins, der mit Stadtteilrundgängen von Eltern begann, die die Kids an deren Treffpunkten – sei es an der Kaulbachstraße, am „Reck“, den Schulhöfen, beim Bürgerhaus oder an der ehemaligen Panzerstraße der Franzosen – aufsuchten, um mit der jüngeren Generation ins Gespräch zu kommen, erhielt die Elterninitiative den Ehrenamtspreis des Landes aus der Hand von Erwin Teufel, dem damaligen Ministerpräsidenten (siehe Kasten „Auszeichnungen“). Mit Wehmut dachte Meser dieser Tage daran zurück, als der Ehrenamtspreis erneut an eine Pforzheimer Institution – Bisa (Bürger in der Schule aktiv) – verliehen wurde. „Ohne Sie und Ihr Engagement würde es hier noch sehr, sehr düster aussehen“, schrieben ihm nach Bekanntwerden der Aufgabe des Vereinsheims Ilse und Uschi Weidmann, Anwohnerinnen am Strietweg. „Wir machen uns Sorgen, was nun aus dem Stadtteil wird, wenn für die jungen Menschen auch diese Anlaufstelle wegfällt“, fahren die Weidmanns fort.

Alternativen gefunden

In einer Antwort-Mail schrieb Meser, dass zwar die Kochkurse für Kinder und Erwachsene, der Musikunterricht, die Hip-Hop-Tanzgruppe und der Offene Jugendtreff geschlossen und aufgelöst worden seien – andere Angebote jedoch an Alternativstandorten weitergeführt würden: Die Kindertanzgruppe sei beim Turnverein Ispringen bei der dortigen Tanzgruppe „La Boom“ untergebracht, die Breakdance-Gruppe sei ans Kupferdächle gegangen. Für den Näh- und Englischkurs habe man im evangelischen Gemeindezentrum Haidach einen Platz gefunden. Und eben die knapp 20 Köpfe zählende Kinder-Boxgruppe der Elf- bis 15-Jährigen in einem Gewerberaum auf dem Buckenberg – nicht weit entfernt von der ehemaligen Stadtteilbücherei, dem ersten Vereinsdomizil der Elterninitiative, ehe man im Jahr 2009 an die Hagenschießstraße zog und dort mit viel Eigenarbeit die Räumlichkeiten für die Bedürfnisse des Vereins sanierte sowie im Hof einen Beachvolleyballplatz anlegte. Voraussichtlich bis zum Sommer überlässt eine an die KF umgezogene Autoglaserei der Boxgruppe den früheren Firmenraum. „Und dann sind wir wieder am Suchen“, sagt Meser.

Dokumentiert wurden die Vereinsaktivitäten nicht nur vielfach in der PZ – auch das Fernsehen wurde auf die Elterninitiative aufmerksam. In der Jugendvollzugsanstalt an der Rohrstraße waren die Breakdancer und Hip-Hop-Girls elf Jahre lang im Rahmen der Sportnachmittage gern gesehene Gäste.

Generationenproblem

Wie geht’s weiter? Noch sind Meser und sein Freund Johannes Braun als Vorsitzender und Vize gewählte Vorstandsmitglieder. Doch sie sind Realisten genug, um zu wissen, dass es ein ganz natürliches Generationenproblem gibt: die Kids, um die es geht, könnten ihre Enkel sein.

„Wir werden als Verein nicht von der Bühne verschwinden“, sagt Meser. Nur das Angebot anders ausrichten. „Wir müssen das erst einmal sacken lassen“, sagen Meser und Braun unisono. Dass sie das Vereinsheim aufgeben und die Jugendarbeit drastisch reduzieren mussten, mag rational nachvollziehbar sein. Aber weh tut’s schon.