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Waldemar Meser und Johannes Braun (links) räumen das Vereinsheim im ehemaligen Kindergarten der französischen Husaren leer.
Waldemar Meser und Johannes Braun (links) räumen das Vereinsheim im ehemaligen Kindergarten der französischen Husaren leer.
Hartmut Wagner
Hartmut Wagner
22.10.2015

Elterninitiative schließt Vereinsdomizil - Neuer Platz für Flüchtlinge

 

Irgendwann geht’s finanziell nicht mehr – dann helfen weder Spenden noch Preisgelder. Das muss die Elterninitiative Buckenberg-Haidach und Hagenschieß bitter erfahren. Der seit dem Jahr 2000 existierenden Verein, dem vorwiegend Spätaussiedler und deren in Deutschland geborene Kinder angehören, schließt zum Monatsende sein Domizil an der Hagenschießstraße. Nach Gesprächen zwischen Verein und Stadtverwaltung hatte Sozialbürgermeisterin Monika Müller (SPD) über eine Pressemitteilung bekanntgegeben, dass sie sich sehr freue, dass die Elterninitiative angeboten habe, die Räume der angemieteten Immobilie für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen.

Der Etat der Elterninitiative – der Verein ist aus der aufsuchenden Arbeit am Wochenende, um mit manchmal problematischen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, hervorgegangen – war stets auf Kante genäht. Aus Stadtteil-Spaziergängen erwuchsen immer neue Angebote, die auch gerne angenommen wurden – vom Kochen über Seniorentanz, Bauchtanz, Breakdance, Hip-Hop bis hin zum Boxen –, aber auch Räumlichkeiten erforderten. Zunächst wurde die ehemalige Stadtteil-Bibliothek auf dem Buckenberg an der Tiergartenstraße von der Stadt angemietet, ein paar Jahre später – 2009 – ein Teil des ehemaligen Kindergartens der französischen Husaren, die 1996 nach Sigmaringen abgezogen worden waren, an der Hagenschießstraße. In einem anderen Teil der Immobilie ist das DDR-Museum untergebracht.

In viel Eigenarbeit möbelten die handwerklich begabten Mitglieder des Vereins die Räume auf, immer unterstützt von der lokalen Wirtschaft, auch von Uwe Hück, Betriebsrats-Vorsitzender von Porsche, Vorsitzender des FSV Buckenberg – wo auch Meser im Vorstand sitzt. Jeder Cent der Gelder für die Ehrenamtspreise, die die Elterninitiative landes- und bundesweit abräumte, wurden in die Vereinsarbeit gesteckt – und das bedeutete in erster Linie in die Miete.

Das sei auf die Dauer nicht mehr zu stemmen gewesen, sagt der Vorsitzende Waldemar Meser (65) auf PZ-Nachfrage und betont die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Doch nun habe man zum Ende dieses Monats gekündigt – und Müller ist heilfroh, dass sie hier zumindest kurzfristig 40 Flüchtlinge unterbringen kann. Ansonsten hätte es unweigerlich eine Halle getroffen – Pforzheim ist ohnehin eine von ganz wenigen Großstädten, die (noch) um eine Zwangsbelegung von kommunalen Hallen herumgekommen sind.

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